Internationales Jugendprojekt in der Ukraine
Jugend in Zeiten der Krim-Annexion
Foto: Qirim Young
Der erste Schritt ist getan: Die ProjektteilnehmerInnen, OrganisatorInnen und VertreterInnen aus der Politik präsentieren stolz das Ergebnis von einer Woche internationaler, demokratischer Arbeit. Foto: Qirim Young
Der erste Schritt ist getan: Die ProjektteilnehmerInnen, OrganisatorInnen und VertreterInnen aus der Politik präsentieren stolz das Ergebnis von einer Woche internationaler, demokratischer Arbeit.

Austausch. Willkürliche Verhaftungen – ein Beispiel für Repressionen gegen KrimtatarInnen. Vergangene Woche gründeten junge Menschen ein krimtartarisches Jugendparlament in Lwiw. 

„Gestern erst hat es wieder vier willkürliche Verhaftungen gegeben. Das nächste Mal kann es eure Eltern oder Liebsten erwischen.“ Der Aktivist Andrij Kimenko spricht zu jungen Menschen, die sich vergangene Woche in Lwiw getroffen haben, um ein krimtatarisches Jugendparlament zu gründen. 

Die Ukraine hat ein schwieriges Verhältnis zum großen Nachbarn Russland. Die Spannungen zwischen der eher proeuropäischen Zivilbevölkerung und der damaligen prorussischen Regierung resultierten 2013 in blutig niedergeschlagenen Protesten, dem Euromajdan. Mittelbar führte dies zum Krieg mit Russland im Osten, auch um die Bochumer Partnerstadt Donezk. Im März 2014 annektierte Russland auf völkerrechtlich fragwürdige Weise die Halbinsel Krim. Beide Konflikte sind menschenrechtliche Brandherde, die allerdings die Zivilgesellschaft im Land stärkten. Das Volk der KrimtatarInnen sieht sich in seiner besetzten Heimat vielen Repressionen ausgesetzt. Viele insbesondere junge TatarInnen flüchteten in die Festlandukraine. Dort entstand die Idee, ein Jugendparlament zu gründen.

„Die Frage ist nicht ob, sondern wann die Krim befreit wird“

Auf Initiative des ukrainischen Vereins Lumière Crimea und dem deutschen Interkulturellen Netzwerk e. V. fanden sich vom 1. – 8. Oktober fünfzehn junge KrimtatarInnen und sechs Deutsche im Westukrainischen Lwiw (Lemberg) zusammen, um eine Organisation zu gründen. Die Erwartungen waren sehr unterschiedlich. Kemal würde gerne ein richtiges Parlament für eine autonome Krim gründen. Weniger kämpferisch dagegen zeigt sich Junus: „Ich habe die Krim verlassen und kenne in Lwiw keine Krimtataren. Ich freue mich, dass ich hier so viele Gleichgesinnte getroffen habe.“ „Wenn ich mich unauffällig verhalte, könnte ich auf der Krim in Frieden leben. Sollte ich wirklich kämpfen? Mit diesem Gedanken stehe ich auf, mit diesem Gedanken schlafe ich ein“, sagt Kadyr, der derzeit in Kiew lebt.

Die sechs deutschen TeilnehmerInnen (darunter der Verfasser dieses Artikels) haben mit ihren Erfahrungen aus Jugendparlamenten, Vereinen und Hochschulpolitik Impulse gegeben. Herausgekommen ist die Keimzelle von „Qirim Young“. Ihre Ziele – unter anderem Vernetzung, Interessenvertretung und internationale Unterstützung –  wurden am Samstag im Lwiwer Rathaus der Öffentlichkeit präsentiert. Zugegen war auch die stellvertretende Ministerin für Informationspolitik, Emine Dschaparowa. Dieses Ministerium wurde gegründet, „um der massiven russischen Propaganda entgegenzuwirken“, sagt Kadyr, der ein Praktikum in dem Ministerium absolviert.

Die richtige Arbeit beginnt jetzt

Am Sonntag verabschiedeten sich die TeilnehmerInnen voneinander. Sie wollen in Verbindung bleiben. Das Internet biete so viele Vernetzungsmöglichkeiten, betonte auch Alim Alijew, der die NGO Crimea SOS vorgestellt hatte. Man brauche nur ein gemeinsames Ziel. Nach einer Woche zäher Diskussionen hat die Gruppe eines gefunden. Alle KrimtatarInnen sollen in Freiheit leben. Nur den Weg dahin müssen sie noch finden.

Gastautor :Marek Firlej

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