Ostinato Records veröffentlichen in „Sweet as Broken Dates: Lost Somali Tapes from the Horn of Africa“ verschiedene KünstlerInnen aus einem international nicht anerkannten Staat
Jäger der verlorenen Tapes
Politisch stabil: In Somalilands Hauptstadt Hargeysa ist der Schrecken des Bürgerkriegs fast vollständig verschwunden.
Politisch stabil: In Somalilands Hauptstadt Hargeysa ist der Schrecken des Bürgerkriegs fast vollständig verschwunden.

Neuvorstellung. Ende August erschien die Compilation „Sweet as Broken Dates: Lost Somali Tapes from the Horn of Africa“.

Mit der Compilation „Sweet as Broken Dates: Lost Somali Tapes from the Horn of Africa“ veröffentlichen Ostinato Records aus New York City eine Zusammenstellung von verschiedenen KünstlerInnen aus Somaliland. Dabei handelt es sich um einen sogenannten De-facto-Staat. Somaliland ist ein praktisch unabhängiger, international aber bisher nicht anerkannter Staat. 1991 erklärte Somaliland sich, als der Bürgerkrieg in Somalia außer Kontrolle geriet, für unabhängig und hat seitdem seine politische Stabilität weitgehend gewahrt und Schritte zur Demokratisierung unternommen. Mit „Sweet as Broken Dates: Lost Somali Tapes from the Horn of Africa“ möchten Ostinato Records die Musik erstmals einem großen Publikum weltweit zugänglich machen. Während der Anfangsphase des Bürgerkriegs ließ der ehemalige Diktator Siad Barre den Radiosender Radio Hargeisa in der Hauptstadt Hargeysa bombardieren. Um die rebellische Musik zu retten, wurden viele Tonbänder und Kassetten außer Landes gebracht oder verbuddelt. 

Eingängige Melodien

Die Compilation spiegelt einen ganz speziellen Stil wieder, den lokale Bands entwickelt und etabliert haben. Das gesamte Album mischt arabische und indische Einflüsse mit viel Funk, Soul und einem reggaeartigen Rhythmus. Zum frischen Stil mischt sich eine gewisse Authentizität durch den Low-Fidelity Sound, der die gesamte LP ein wenig matschig und  schmutzig antiquiert klingen lässt. Nichtsdestotrotz, oder gerade deshalb, kann man jedem einzelnen Song Passion, Gefühl, Liebe und vor allem Optimismus anhören. „Sweet as Broken Dates: Lost Somali Tapes from the Horn of Africa“ klingt wie eine hoffnungsvolle und friedliche Kampfansage an Unterdrückung und Korruption. Die eingängigen Melodien und der markante, für die meisten EuropäerInnen ungewohnte Gesang transportieren einen kaum definierbaren, aber ganz klar spürbaren Esprit von Lebensfreude und Zuversicht.            

:Andreas Schneider