Kommentar: Tschüss, Nacktfotos: Bunnys familienfreundlicher als Social Media
Internet versus Playboy
Fotos: :bsz-Archiv (1968 – ’69)
Trendsetterin :bsz: Noch bevor es den „Playboy“ in Deutschland gab, druckten wir in den 60ern nackte Frauenkörper ab (wenn wohl auch mit etwas anderen Absichten) – und noch lange bevor Hugh Hefner sie aus seinem Heft verbannte, taten wir das Gleiche. Fotos: :bsz-Archiv (1968 – ’69)
Trendsetterin :bsz: Noch bevor es den „Playboy“ in Deutschland gab, druckten wir in den 60ern nackte Frauenkörper ab (wenn wohl auch mit etwas anderen Absichten) – und noch lange bevor Hugh Hefner sie aus seinem Heft verbannte, taten wir das Gleiche.
Im amerikanischen „Playboy“ soll es anlässlich einer Modernisierung ab März 2016 zukünftig keine Nacktfotos mehr geben. Gleichzeitig finden sich im Internet immer mehr leicht oder gar nicht bekleidete Menschen – nicht nur zu erotischen Zwecken. Zufall oder logische Konsequenz? 
 
Während der deutsche „Playboy“ nudistInnenfreundlich bleibt, werden wir im amerikanischen Original bald nur noch (teilweise) bekleidetete Models finden. Der Schritt weg von der Pornographie hin zur mehr oder weniger respektablen Zeitschrift soll eine neue LeserInneschaft erschließen. Denn: Wer kauft sich schließlich im Zeitalter von PornHub und Co. noch ein Printmedium der Pornographie? 
 
Damit reagiert der Playboy auf das Überangebot von Nacktheit im Internet und sichert gleichzeitig seine unproblematische Verbreitung im Netz: Schließlich sehen Social Media Seiten wie Facebook, Instagram und Co. Nacktheit gar nicht so gerne, da sie Wert darauf legen, jugendfrei zu sein. Bleibt allerdings die Frage, ob die Gleichung nackter Körper gleich sexualisierter Körper auch wirklich so stimmt. 

Nackt = Sexy? 

Tatsächlich sieht man die Tendenz, dass sich immer mehr Frauen von dieser Gleichung loszusagen versuchen. Längst geht es nicht mehr um die schöne Nacktheit eines perfekt in Szene gesetzten Models, dessen wenige „Fehler“ dank Photoshop auch noch ausradiert werden. Es findet eine Gegenentwicklung statt, eine Loslösung vom Schönheitsideal. Ganz normale Frauen, mit Cellulite, Übergewicht und ungleich großen Brüsten erobern mit mutigen Fotos und Hashtags wie #freethenipple oder #nobraday die sozialen Medien – und müssen sich dafür einiges gefallen lassen. Frauen, die der Playboy nie abdrucken würde, kämpfen für ihr Recht, ihre Nippel frei im Internet zeigen zu dürfen. Genauso wie die Männer eben. Setzen ein Zeichen dafür, dass weibliche Brüste nicht nur Objekte sexueller Begierde sind und sich deswegen unter dem BH verstecken müssen. Oder kommt es Euch bei genauem Nachdenken nicht komisch vor, dass Männer problemlos oben ohne durchs Leben spazieren können, während den Frauen von der Gesellschaft noch das sprichwörtliche Korsett (heute: BH) übergezwungen wird? 
 
Hat der amerikanische „Playboy“ (neben allen anderen Kopfschmerzen, die er FeministInnen bereitet hat) früher noch für die Befreiung der Nippel plädiert, so wäre es ihm heutzutage wohl lieber, wenn wir alle wieder brav unsere Brüste einpackten. Vor allem die, die nicht perfekt sind. Aber wahrscheinlich verkauft er uns dann demnächst auch die perfekte Verkleidung dafür. 
 
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