Abtreibungsdebatten
Informationsangst?
 Machen sich strafbar: Ärzte*innen, die online über Abtreibungen informieren.
Machen sich strafbar: Ärzte*innen, die online über Abtreibungen informieren.

Kommentar. Demonstrant*innen sind auf die Straße gegangen, um gegen das Verbot von Abtreibungswerbungen zu protestieren.

See no evil, hear no evil, speak no evil: ganz nach dem Motto ist es in Deutschland verboten, öffentlich Werbung für Abtreibungen zu machen. Das bedeutet konkret, dass Frauenärzt*innen auch online nicht darüber informieren dürfen – und sogar dafür strafbar gemacht werden, nur wenn sie vermerken, dass sie Abtreibungen durchführen. Das Ergebnis: den Frauen, die über eine Abtreibung nachdenken, wird das Leben erschwert.
Der Sinn hinter diesem Verbot ist mehr als fragwürdig. Denn was erreicht diese Regelung, außer den moralischen Zeigefinger zu heben? Und Frauen möglichst viele Steine in den Weg zulegen. Und nur weil die Informationen schwieriger zugänglich sind, lassen sie sich
dennoch finden.

Werbung: unpassende Wortwahl

Das Wort ,,Werbung” für eine medizinische Informationsquelle zu nutzen, wird von seiner Inadäquanz nur durch seine Unangemessenheit übertroffen. Werbung sind kurze Spots zu Schokoriegeln, Poster für die neueste Mode und Pop-Up Fenster zu den letzten Suchanfragen auf Amazon und Co. Vielleicht überzeugt jemanden Werbung, sich das neueste Handy zu kaufen – aber eine glücklich schwangere Frau will und wird man mit Informationen zu Abtreibungen nicht überreden, selbst eine zu machen. Da sollte man Frauen doch genug Grips und Selbstbestimmung zutrauen. Aber da wird von manch konservativen Politiker*innen schon zu viel Einfühlungsvermögen verlangt.
Hier liegt auch das Problem: Die Sorgen der Abtreibungswerbung-Gegner*innen sind bestenfalls unklar – schlimmstenfalls völlig unverständlich. Informationen zu Abtreibungen sollen Frauen, die bereits über eine Abtreibung nachdenken, helfen, die bestmögliche Beratung zu erhalten und zu wissen, dass es Ärzt*innen gibt, die einen im persönlichen Gespräch nicht verurteilen. Denn verurteilt werden sie schon genug. Letztlich ist es eine medizinische Leistung am eigenen Körper, über die informiert werden muss wie über jede andere – und über die nicht nur hinter geschlossenen Vorhängen geflüstert werden sollte.              

:Charleena Schweda