Hürden bei der Antragstellung und unzureichende Werbung bei der Studienförderung – Die Bafög-Statistik 2016
Immer weniger Studierende beziehen BAföG
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Etwas Geld gegen sehr hohen Aufwand: Bafög-Anträge stellen Hürden dar, und die Zahl Geförderter sinkt. Bild: tom
Etwas Geld gegen sehr hohen Aufwand: Bafög-Anträge stellen Hürden dar, und die Zahl Geförderter sinkt.

Studienförderung. 2016 fiel die Zahl der BAföG beziehenden Studierenden um etwa 27.000 im Vergleich zum Vorjahr. Dies teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am 4. August mit. Das Deutsche Studentenwerk (DSW) fordert mehr Werbung und regelmäßige Erhöhungen.

Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, bewertet die Statistik wie folgt: „Die BAföG-Reform greift“. Die Rede ist von der Reform, die im Oktober 2016 für alle Studierenden in Kraft getreten ist und eine Erhöhung der Elternfreibeträge sowie die Einrichtung eines E-Antrags beinhaltete (:bsz 1095). Dennoch sind die Zahlen gesunken. Marian Thöne vom Akademischen Förderungswerk (Akafö) erklärt: „Viele Studierende stellen keinen BAföG-Antrag, weil das Verhältnis von Aufwand und Ertrag nicht stimmt. BAföG zu beantragen ist kompliziert, die Förderung oft nur gering.“ Christina Wiegelmann, Pressesprecherin des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), erklärt diesbezüglich, dass es sich dabei um „die Abfrage erforderlicher Informationen“ handele, sodass eine „größtmögliche Einzelfallgerechtigkeit“ sichergestellt werden könne. Ebenso verweist sie auf die abgebauten Hürden. Durch die elektronische Antragstellung stehe seit August 2016 ein „zeitgemäßer Weg für die Beantragung von Ausbildungsförderung zur Verfügung.“

Mehr Werbung

An der gesunkenen Zahl scheinen aber nicht nur die Anträge Schuld zu tragen, sondern auch die unzureichende Werbung. „Für die Vorzüge des BAföG muss auch stärker geworben werden, so dass Studierende auch kleinere und mittlere Förderbeträge nutzen“, erklärt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des DSW und appelliert an den Bund: „Wir wünschen uns aber hier auch deutlich mehr Unterstützung der Bundesregierung.“
Wiegelmann sagt diesbezüglich, dass der Begriff BAföG bereits seit mehr als 45 Jahren synonym für Studienfinanzierung stehe und dessen Bekanntheitsgrad daher kaum noch zu steigern sei. Allgemeine Informationen könnten online sowie über eine Hotline bezogen werden, eine persönliche Beratung erfolge im „zuständigen Studentenwerk“. Werbemaßnahmen seien daher laut BMBF weniger notwendig als „beratende Aufklärung vor Ort“.
Auch das Bochumer Akafö ist der Meinung, dass das BAföG „von politischer Seite stärker beworben werden“ könne. Es bestehe allerdings kein Problem bei der Aufklärung bezüglich des BAföG in Bochum: „Informationen rund ums BAföG zu beschaffen, ist einfach, bequem und geht schnell – ob online, telefonisch oder persönlich.“

Regelmäßige Erhöhung

„Eine Erhöhung im Jahr 2010, eine weitere Erhöhung im Jahr 2016: Das ist zu wenig“, sagt auf der Heyde. Die 21. Sozialerhebung zeige, dass Studierende ebendies durch eine erhöhte Erwerbstätigkeit zu Lasten der Studienzeit kompensieren müssten. Das BAföG müsse daher „regelmäßig erhöht werden“.
Auch Wiegelmann erklärt, „regelmäßige ‚bedarfsgerechte‘ Anpassungen“ seien zwar erforderlich, für einen Anpassungsbedarf entscheidend seien aber nicht die „dokumentierten Gefördertenzahlen“, sondern dass niemand allein aus finanziellen Gründen nicht mehr studieren kann. Diese Anforderung seien zuletzt erfüllt worden. Zudem werde, da der Bund seit 2015 die volle Finanzierung des BAföGs übernimmt, das parlamentarische Verfahren bei künftigen Änderungsgesetzen erleichtert, was „zusätzlich zu einer kontinuierlich verlässlichen Studienfinanzierung mit regelmäßigen bedarfsgerechten Anhebungen“ beitrage.

:Tobias Möller