„Leistungsorientierung“ und „Drittmitteleinwerbung“ als Finanzierungsleitlinien der RUB
Hochschulentwicklung auf Abwegen?
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HEP III: Ein komplexes Thema an der RUB. Foto: ck
HEP III: Ein komplexes Thema an der RUB.

Im Sozialismus hatten Fünfjahrespläne Tradition – an der Ruhr-Universität ist mit dem dritten Hochschulentwicklungsplan (HEP III) erstmals eine universitäre Planung mit einer ähnlichen Laufzeit (2014-19) vorgelegt worden (die :bsz berichtete), welche jetzt in die Umsetzungsphase gelangt.

Nachdem in der ersten und zweiten Phase gestufte Studiengänge und Schwerpunktbildungen bei der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung im Fokus standen, ist neben Geschlechtergleichstellung und Inklusion nun eine weitere Internationalisierung von Studiengängen und akademischen Kooperationen ein zentrales Thema. Ob dies hauptsächlich auf eine Anglisierung der Campuskultur sowie eines relevanten Teils von Lehre und Forschung oder auf eine gleichberechtigte Förderung von Interkulturalität auch über den anglo-amerikanischen Horizont hinaus bedeuten wird, muss die Zukunft zeigen. Eines jedenfalls ist sicher: Die Finanzierung der Hochschule soll mit dem HEP III – ganz nach neoliberalem Muster – noch wesentlich stärker als bislang an Wettbewerb, ökonomischer Leistung und Drittmittelfähigkeit einzelner Fächer (zur Einwerbung privater Fördermittel) orientiert werden.

Im Rahmen einer angestrebten „Neuordnung der Mittelverteilung“ wird im Hochschulentwicklungsplan III eine „Leistungsorientierte Mittelvergabe“ künftig „noch konsequenter als bisher“ als Leitlinie für die nächsten sechs Jahre festgeschrieben. Hierbei wird „die Höhe von Drittmitteleinnahmen“ einzelner Fachbereiche zunehmend als „Reputationsparameter“ herangezogen: „Vor dem Hintergrund einer nicht auskömmlichen Finanzierung“ aus Landesmitteln solle insbesondere „die Drittmitteleinwerbung zur Sicherung der Arbeitsfähigkeit der gesamten Universität“ beitragen.

Ökonomische Abhängigkeit

Zwar wird eine solche Prioritätensetzung, die eine zunehmende Abhängigkeit von ökonomisch interessengeleiteter Förderung von Lehre und Forschung bedeutet, im HEP III explizit kritisch bewertet: „Wir sind uns bewusst, dass diese Entwicklung nicht begrüßenswert ist.“ Dennoch ist zu befürchten, dass die Konsequenzen noch weitreichender sein werden: „Absolventenzahlen spielen in der Leistungsbetrachtung der Fakultäten wohl keine gravierende Rolle mehr“, heißt es in einem der Redaktion vorliegenden aktuellen Bericht einer Fakultät der RUB vom jüngsten Campusdekanetreffen. Obwohl „die Anzahl der Absolvent/innen“ pro Jahr „je Professur“ laut HEP III weiterhin in die „Zielvereinbarungen“ mit den Fakultäten einfließen sollen, würde dies laut Bericht vom Treffen der RUB-Dekane künftig nicht mehr der Fall sein.

Schlechtere Lehre und weniger Service?

Eine solche Vernachlässigung der Grundlagen einer guten, effizienten Lehre könnte bedeuten, dass im Vergleich zu anderen NRW-Unis zu verzeichnende Personalüberhänge wissenschaftlicher MitarbeiterInnenstellen sowie im Bereich der Mitarbeitenden in Technik und Verwaltung verstärkt abgebaut werden, was eine weitere Verschlechterung des Lehr- und Serviceangebots für Studierende nach sich ziehen könnte. Frühere Pläne einschneidender Mittelkürzungen auf Fakultätsebene werden auch im Rahmen des HEP III bestehen bleiben; diese können im Einzelfall den Umfang größerer sechsstelliger Beträge erreichen, die hauptsächlich im WissenschaftlerInnenhaushalt aufgebracht werden müssten und sich auf die Stellensituation bis 2020 auswirken würden. Zudem ist eine „Schöpfung von Synergien durch Defragmentierungen im dezentralen wie im zentralen Bereich“ als Ziel definiert, um Ressourcen einzusparen – so etwa durch „die Zusammenlegung kleinerer Bibliotheken“ und „Werkstätten“ sowie im Verwaltungsbereich.

Wenn jeder an sich denkt, ist an alle gedacht...

Mit dieser überspitzt formulierten liberalen Leitlinie wäre auch der Grundgedanke der „Ressourcensteuerung“ im Zuge des HEP III auf den Punkt gebracht, die abschließend tatsächlich wie ein Fünfjahresplan im Sozialismus verbrämt wird: „Wenn alle Mitglieder unserer Universität an der Umsetzung unseres Zukunftskonzeptes engagiert und kreativ mitwirken, kann sich langfristig die Ressourcenausstattung der Universität insgesamt so positiv verändern, dass sich die Rahmenbedingungen für Spitzenforschung und hohe Qualität in Lehre und Studium in allen Fakultäten und wissenschaftlichen Disziplinen spürbar verbessern.“ Dies gilt jedoch bestenfalls für jene Fächer, die nicht bereits dem Rotstift zum Opfer gefallen sind.

Weitere Informationen findet Ihr im Netz unter:
www.tinyurl.com/rub-universitas
www.tinyurl.com/hepiii