Hochschulentwicklungsplan legt die Zukunft der RUB fest
Hochschule entwickelt sich zu universitas
Grafik: mar
Gewagter Vergleich: Wenn die Uni ein Pokémon wär, wäre der Hochschul­entwicklungs­plan ihr Evolutionsstein. Grafik: mar
Gewagter Vergleich: Wenn die Uni ein Pokémon wär, wäre der Hochschul­entwicklungs­plan ihr Evolutionsstein.

Das insbesondere vom Rektor der Ruhr-Universität, Prof. Elmar Weiler, vielbeschworene Leitbild für die Uni, „universitas“, taucht auch im Hochschulentwicklungsplan (HEP) auf. Relativ zu Beginn des Dokuments präsentiert sich dieses Konzept, das mit vollmundigen Begriffen wie „Inklusion“, „Meritokratie“ „früher wissenschaftliche Selbstständigkeit“ und „weltoffenem Miteinander und weltweiter Vernetzung“ erklärt wird. Diese Idee von „universitas“ steht für ein wissenschaftliches und menschliches Miteinander auf dem Campus (der immer mehr in die Bochumer Innenstadt ausgelagert wird). Konkret hat das u. a. Auswirkungen auf die internationale Ausrichtung der Uni, auf die Personalpolitik insbesondere in Geschlechterfragen, aber auch auf die Integration behinderter Studierender. Darüber hinaus legt der Plan auch die Prinzipien der Campusmodernisierung und der Förderung wissenschaftlichen (elitären) Nachwuchses fest.

Forschung wie auch Lehre sollen eine deutlich internationalere Note bekommen, was bedeutet, dass der Anteil englischsprachiger Lehrveranstaltungen zunehmen soll. Die „Internationalisierungsstrategie“ berühre insgesamt die „Sprachenpolitik der Universität“. Wenn dies die Fortführung der bisherigen Sprachpolitik bedeutet, kommt eine Anglizismenflut auf den Campus zu. Des Weiteren sieht der HEP auch einen mysteriösen „Sprachencampus RUB“ vor, der allerdings nicht weiter erklärt wird. Die Lage des Zentrums für Fremdsprachenausbildung (ZfA) und die Umstrukturierung der Fremdsprachenkurse im Optionalbereich (siehe Artikel auf Seite 2) lassen Begriffe wie Sprachencampus allerdings ziemlich höhnisch klingen.

Klare Quoten statt derber Zoten

In Geschlechtergleichstellungsfragen nennt der HEP klare Zielvorstellungen: Der Anteil der (an sich umstrittenen) Juniorprofessuren soll bis 2017 auf 45 Prozent steigen, die „Zahl der von Frauen abgeschlossenen Promotionen“ soll „dem Bundesdurchschnitt von derzeit ca. 44 Prozent angeglichen werden.“ Auch bei der Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen soll die Frauenquote erhöht werden.

„Inklusion und Diversity“ werden im HEP angesprochen, konkrete Maßnahmen werden nicht genannt, dafür wird auf die Vielzahl von Einrichtungen an der Uni verwiesen, die weiterhin für eine diskriminierungsfreie und vielfältige Studien- und Arbeitskultur sorgen sollen. Immerhin, auf seiner Rede zum Antritt zur RektorInnenwahl hatte Rektor Weiler von erforderlichen Umbaumaßnahmen für einen barrierefreien Campus gesprochen.

Die Baustellen von heute sind erst der Anfang

Die allgegenwärtigen Baumaßnahmen an der Ruhr-Universität Bochum, an der I-Reihe und dem zweiten Parkhaus beispielsweise, könnten den Eindruck erwecken, der Campus-Umbau befände sich in einer heißen Phase. Geht man jedoch nach dem HEP, steht der größte Teil der baulichen Modernisierungsmaßnahmen erst ab 2017 an, wenn die vierte Planungsphase eingeläutet wird. In der aktuellen Phase III geht es vorrangig darum, die Internationalisierung der RUB voranzutreiben. Die Voraussetzungen dafür wurden in der zweiten Phase geschaffen, die unter dem Motto der Forschungs- und Nachwuchsförderung stand. Im aktuellen HEP werden die in diesem Bereich begonnenen Projekte weiter ausgebaut. Ein Kernstück ist die im Rahmen der Exzellenzinitiative entstandene RUB Research School, an der 3.000 Promovierende aller wissenschaftlichen Disziplinen studieren und forschen, 500 davon aus dem Ausland. Die Ruhr-Universität bemüht sich, den wissenschaftlichen Nachwuchs auch über die Promotionsphase hinaus an sich zu binden, über Juniorprofessuren; zu den aktuell 75 sollen 2014 weitere hinzukommen. Der Geist der Exzellenzinitiative, der hier noch nachwirkt, wird besonders bei dem 2011 geschaffenen Career-Track-Programm deutlich. Die herausragendsten NachwuchswissenschaftlerInnen sollen für die Ruhr-Universität gewonnen beziehungsweise langfristig gehalten werden, indem über den Career Track „neue und unbefristete W2-Professuren“ geschaffen werden. So positiv sich dieses Bemühen um den Nachwuchs darstellt, DozentInnen, die teils über viele Jahre an der RUB mit einer Kette befristeter Verträge gearbeitet haben, mögen dies mit einer gewissen Berechtigung als ungerecht empfinden.

Einen neuen Abschluss aus dem Ärmel zaubern

Neben dem Ausbau der Angebote für die Graduierten- und Postgraduiertenphase ist auch die Schaffung neuer Abschlüsse angedacht, um sozusagen die studentische Elite zu fördern. So soll ein Abschluss Bachelor with honours geschaffen werden, der in Form eines Zertifikats für besonders leistungsstarke Studierende vergeben werden kann, die Zusatzleistungen erbracht haben. Zudem ist ein Intensive Master im Gespräch, der es Absolventen mit Bachelor with honours erlaubt, direkt in die Promotionsphase einzutreten und daneben ein spezielles Intensive-Master-Profil zu studieren. Beide Abschlüsse setzen jedoch zunächst die Umstrukturierung des Optionalbereichs voraus und werden wie dieser mit Sicherheit für einige Kontroversen in der Studierendenschaft sorgen.
 

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