Der Struggle der Hartz-Kinder
Hartz-IV-Kinder haben es schwieriger
Symbolbild
Leben am Limit: Kinder aus Multiproblemfamilien haben nicht nur mit finanzielle Armut zu kämpfen.
Leben am Limit: Kinder aus Multiproblemfamilien haben nicht nur mit finanzielle Armut zu kämpfen.

Studie Uni DuE. Kinder aus Multiproblemfamilien haben es häufig schwer, einen Weg aus ihrer Armut zu finden. Die Uni DuE hat Betroffene sowie deren Eltern befragt.

„Wie der Vater, so der Sohn“ – ein altbekanntes Sprichtwort. Im Zuge der Untersuchung durchgeführt von Soziolog*innen der Uni Duisburg-Essen (Uni DuE) sprachen die Forscher*innen mit einigen Familien, die ihre Kinder unter Hartz-IV großziehen mussten. Die Ergebnisse der Befragung und die Schlüsse daraus sollen im kommenden Jahr in Form eines Buches veröffentlicht werden.
Privatdozentin Dr. Daniela Schiek und Prof. Carsten Ullrich von der Uni DuE beschäftigten sich in ihrer Studie mit den Einflüssen, die Hartz-IV und Armut auf das Leben der Kinder hat, die in solchen Verhältnissen aufwachsen. Häufig spielen viele Faktoren in diesen Mulitproblemfamilien zusammen. Die Wohnung verwahrlost, die Eltern haben einen niedrigen Bildungsstand, Sucht- oder andere Erkrankungen, Handgreiflichkeiten oder Gewalt innerhalb der Familie, Überforderung – sowohl im Umgang mit den Kindern als auch mit dem eigenen Leben. Das beschreibt die Ausgangslage aus denen die beiden Soziolog*innen ihre Forschung begannen. Elf Familien, also Eltern(-teile) und Kinder, die in solchen oder ähnlichen Umständen aufgewachsen sind, hat das Team befragt – unter dem Projekt „Hartz IV-Generationen?“ wollten sie der Leitfrage wie Armut erlebt wird und welche Verhaltensweisen oder Werte an nachfolgende Generationen weitergegeben werden, nachgehen.

Aus Armut folgt Armut

Aufgrund der Interviews konnten die Forscher*innen drei Muster ausfindig machen, die immer wieder auftauchten. Symbiose, „Bleibe(ver)handlungen“ und der vollständige Bruch mit der Familie.
Bei Ersterem ist die nachfolgende Generation isoliert und „fügt sich ihrem Schicksal“ – nämlich dasselbe Leben zu führen, wie ihre Eltern es tun. „Die Eltern, zwischen 50 und 60 Jahre, sind schon ihr halbes Leben auf Sozialleistungen angewiesen und haben resigniert. Die Kinder, heute 20 bis 35 Jahre, sind oft in der Armutsspirale noch weiter abgerutscht“, sagt Carsten Ullrich. Außerdem erklärt er, dass diese „Schicksalsgemeinschaft“ häufig unter sich bliebe, Partner*innen und Freund*innen fehlen meist. „So macht diese junge Generation keine eigenen Erfahrungen.“
„Bleibe(ver)handlungen“ sind das zweite Muster. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass die Kinder sich nicht ganz lösen. Häufig endet das in Konflikten, wer Schuld an der Lebenssituation habe. „Man möchte sich lösen, bleibt letztlich aber seinem Umfeld verhaftet und ist in gewisser Weise stolz – darauf woher man kommt und wie die Eltern mit Hartz-IV klarkommen.“
Die letzte Variante ist der Bruch mit der Familie. Dabei wenden sich Kinder komplett von ihren Familien ab und entziehen sich den heimischen Umständen. „Es kommt vor, dass Geschwister es in unproblematische Verhältnisse oder gar zu einem hohen Aufstieg geschafft haben, während Bruder oder Schwester das Leben ihrer Eltern weiterleben“, erklärt Ullrich. „Im Amerikanischen werden solche geflüchteten Kinder Survivors genannt, Überlebende“, erklärt Daniela Schiek.

:Kendra Smielowski