Investor*innen-Gewinne auf Kosten der Mieter*innen
Gewinne! Gewinne! Gewinne? – Die Linke kritisiert Vonovia
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Neubau und Modernisierung: Die Linke kritisiert das Geschäftsmodell der Vonovia SE.  Symbolbild
Neubau und Modernisierung: Die Linke kritisiert das Geschäftsmodell der Vonovia SE.

Wohnungsmarkt. Die Linksfraktionen im Bundestag, dem Berliner Abgeordnetenhaus und dem hessischen Landtag veröffentlichen eine Studie zu den Gewinnen der Wohnriesen und üben scharfe Kritik.

Die bei Professor Heinz-J. Bontrup in Auftrag gegebene Studie der drei Linksfraktionen kommt zu dem Ergebnis, dass – verkürzt gesagt – die Vonovia SE lukrativ wirtschaftet, vor allem für die Investor*innen viel Rendite erbringt, dies jedoch auf Kosten der Mieter*innen und der Wohnsubstanz geschehe. Das Unternehmen sei „kein Wohnungsunternehmen im klassischen Sinne, sondern vielmehr ein Finanzinvestor mit angeschlossener Immobilienwirtschaft“, heißt es vonseiten der Linksfraktion im Bundestag. Ein Vorwurf, den man am Firmensitz in Bochum vehement zurückweist: „Wir sind klar ein Vermieter, denn unser Ziel ist es, unsere Bestände möglichst lang zu bewirtschaften“, reagiert Pressesprecher Max Niklas Gille auf Anfrage. Auch der Vorwurf, dass Wohnungen ausschließlich zum Zweck der Gewinnmaximierung und nicht der Wohnraumversorgung dienen würden, widerspricht Gille: „Wir investieren viel in unsere Bestände, da wir langfristig orientiert sind. Wir wollen zukunftsfähige Quartiere, in denen unsere Mieter sich lange wohlfühlen.“ Zu diesem Ziel setze man nicht nur auf Modernisierung, sondern auch auf Instandhaltung. Die Umlage der Modernisierungskosten läge man in der Regel um unter acht Prozent auf die Mieter*innen um und schöpfe so den gesetzlichen Rahmen nicht aus. Dieser liegt derzeit noch bei elf Prozent, doch die Bundesregierung stellt eine Senkung auf acht Prozent in Aussicht. Kosten für die Instandhaltung von Wohnraum dürfen hingegen nicht auf die Mieter*innen umgelegt werden. Caren Ley von der Linksfraktion fordert hingegen, dass auch die Modernisierungsumlage abgeschafft werden solle. Dies führe dazu, dass ein von Bontrup beschriebenes System der von Mieter*innen als unnötige Modernisierung bei gleichzeitigem Ausbleiben von notwendigen Instandhaltungsmaßnahmen kritisiertes Geschäftsmodell der Vonovia nicht mehr möglich sei.

Marktmacht

Der Vonovia SE gehören bundesweit etwa 350.000 Wohnungen, in manchen Regionen, etwa dem Ruhrgebiet, gehört das Unternehmen zu den größten Vermietern. Die Linke kritisiert, dass Vonovia die eigene Marktmacht nutze, um Mietpreise in die Höhe steigen zu lassen. Zwar wisse man auch in der Bochumer Firmenzentrale, dass Mietpreiserhöhungen, etwa durch Baumaßnahmen oder Modernisierungen für Mieter*innen Umstände bedeuteten, doch man setze auf frühzeitige Kommunikation. „Mieter, die der Meinung sind, dass sie eine höhere Miete nicht zahlen können, können sich bei uns melden. Dann finden wir gemeinsam eine Lösung. Wir wollen niemanden rausmodernisieren“, erklärt Gille.
Das börsennotierte Unternehmen hat von 2012 bis 2017 1,9 Milliarden Euro an Aktionär*innen ausgezahlt, hierbei jedoch 550 Millionen Euro Verlust gemacht. Um diese Verluste auszugleichen, seien laut Studie sowohl Mietpreissteigerungen als auch der Zukauf neuer Immobilien unumgänglich. Erst kürzlich begann der Konzern, auch auf dem schwedischen Wohnungsmarkt Fuß zu fassen.
Die komplette Studie ist unter tinyurl.com/vonoviastudie einsehbar.
                  

:Justin Mantoan