Historiker*innen kämpfen für Stellenerhalt
Geschichtsstudierende setzen sich für Dozenten ein
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Auch abseits von Hochschulpolitik: Die Wichtigkeit von studentischem Engagement. Bild: stem
Auch abseits von Hochschulpolitik: Die Wichtigkeit von studentischem Engagement.

Mitbestimmung. Mit einer Petition haben sich zwei Studentinnen dafür eingesetzt, die Stelle ihres Dozenten zu erhalten. Dabei ging es ihnen nicht nur um den Lehrenden, sondern auch darum, ein Zeichen von studentischem Engagement zu setzen.

Häufig heißt es, Studierende sollen an der Universität mitbestimmen und ihre Anliegen vertreten. Dass es auch andere Wege abseits von Hochschulpolitik und Gremien gibt, das Studierendenleben mitzugestalten, zeigten jüngst zwei Geschichtsstudentinnen.

Denn mit einer Petition, die über 500 Unterschriften einbrachte, forderten die Petitionsstellerinnen, die vertraglich auslaufende Stelle ihres Dozenten Dr. Volker Scior, der am Lehrstuhl für Früh- und Hochmittelalter als Akademischer Oberrat auf Zeit angestellt ist, zu verlängern oder eine neue Stelle für ihn zu schaffen.

Viele Stimmen …

Das Engagement der Studierenden kam zustande, als sie von dem möglichen Weggang des Dozenten hörten. „Eine Freundin hat mich angerufen und gesagt: ‚Hast du schon gehört, dass Scior geht?‘“ berichtet Rebekka Metz, die zusammen mit ihrer Kommilitonin Marie Ruhnau die Aktion initierte. Laut Rebekka waren die beiden, wie viele der Geschichtsstudierenden sowohl von der Lehre Sciors und seiner fachlichen Vermittlungsfähigkeit begeistert, als auch von seinem sehr freundlichen, verständnisvollen Umgang mit den Studierenden. Da sie das Gefühl hatten, sie seien nicht die Einzigen, denen es so ging, beschlossen sie, sich für den Dozenten einzusetzen. Die Unterschriften sammelte Rebekka unter Mithilfe von Kommiliton*innen in Geschichtsvorlesungen, Seminaren und der Fakultätsbibliothek. „Auch Professoren fanden unsere Aktion toll und boten mir an, in ihrer Vorlesung Unterschriften zu sammeln. Ich habe von allen Seiten viel positives Feedback bekommen“, sagt Rebekka. Auch nachdem die Historiker*innen mit der Unterschriftensammlung fertig waren, meldeten sich Kommiliton*innen, die unterschreiben wollten. 

„Natürlich freut es mich riesig und ehrt es mich sehr, dass sich so viele Studierende – ich habe von über 500 gehört – für meinen Verbleib an der RUB eingesetzt haben“, sagt Volker Scior, der von der Petition erfuhr, nachdem er sich auf eine neue Stelle beworben hatte. „Das müssen die Studierenden sehr gut geplant und in einer konzertierten Aktion durchgeführt haben“, so der Dozent.

… für einen gemeinsamen Zweck

Für die Antragsstellerinnen ging es nicht nur darum, die Stelle ihres Dozenten zu retten. Auch ging es ihnen um studentische Mitbestimmung. „Wir wollten das auch machen, weil man uns immer nachsagt, wir engagieren uns nicht“, so Rebekka. „Wenn uns Studenten etwas wichtig ist, dann setzen wir uns sehr wohl ein.“ 

Die Petition wurde RUB-Rektor Axel Schölmerich zudem persönlich von Rebekka während eines Gesprächs vorgelegt. Schölmerich lobte die Aktion und sagte, er leite sie nach einer Prüfung an die Hochschulgremien weiter. Zusätzlich unterstützten Fakultät und Institut das Bestreben der Studierenden durch ein separates Schreiben an den Rektor.

Zwar kann Sciors Stelle nicht verlängert werden, doch er hat sich für das nächste Sommersemester auf eine Professur für Spätantike und Frühmittelalter beworben, wie er seinem Seminar in der letzten Sitzung mitteilte. Der Fachschaftsrat Geschichte, der mit zwei Vertreter*innen ebenfalls in der Berufungskommission sitzt, will die Petition als Argument vorlegen, Scior einzustellen, so Rebekka.

:Stefan Moll

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