Debütautorin präsentiert einen realistischen Roman über Gewalt
Gegen die Zukunft
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Die Autorin stellt sich die Frage: „Welche Rolle spielt die Migration bei Gewalttaten?“ Bild: mag
Die Autorin stellt sich die Frage: „Welche Rolle spielt die Migration bei Gewalttaten?“

Lesung. Die junge Autorin Fatma Aydemir las beim Literatürk Festival im Bahnhof Langendreer aus ihren Debütroman „Ellbogen“.

Das Literatürk Festival hatte in diesem Jahr den Schwerpunkt „Macht und Ohnmacht“. Dazu passend präsentierte die Journalistin Fatma Aydemir im Studio 108 des Bahnhofs Langendreer ihren Roman „Ellbogen“ über Wut, Hoffnungs- und Identifikationslosigkeit einer Jugendlichen mit türkischem Migrationshintergrund. Der Radioreporter Ulrich Nolle führte als Moderator durch den Abend. Die Autorin las aus dem Roman und das Publikum erfuhr einiges über die 

Entstehung und Entwicklung ebendieses. Am Ende des Abends konnten sich die BesucherInnen privat mit Fatma Aydemir unterhalten und ihre eigenen Exemplare des Romans signieren lassen. Der Roman entführt uns in die Gefühlswelt und die Probleme einer Heranwachsenden. Doch der Konflikt wird durch ihren sozialen Hintergrund verstärkt. Hazal ist ein 17-jähriges Mädchen, das durch seine Herkunft keine Zukunft für sich sieht. „Freiheit ist ein großes Wort im Roman“, sagt die Autorin. Und so wird Hazals Wunsch nach Freiheit immer größer. In ihr entsteht eine große Wut, hervorgerufen durch die erfahrene Zurückweisung in der Gesellschaft und Perspektivlosigkeit. Die Wut entlädt sich in Hazals Geburtstagsnacht und endet in einem Gewaltausbruch ihrerseits. Sie denkt in diesem Moment: „Dieser Tritt bin ich.“ Der zweite Teil des Romans spielt in Istanbul, Hazals Sehnsuchtsort. Er hält aber nicht, was er verspricht. Sie wird von den vergangenen Ereignissen eingeholt.

Antiheldin zur Identifikation

Fatma Aydemir war es wichtig, die passende Atmosphäre im Roman herzustellen. Deshalb fließen Erinnerungen aus ihrem kurzen Aufenthalt in Berlin-Wedding, ihrer eigenen Jugendzeit und ihrer Reise nach Istanbul ein. Hazal ist keine Sympathieträgerin, sondern eine Antiheldin, mit der man sich trotzdem in einigen Situationen identifizieren kann. Das kommt auch bei den Jugendlichen an, wie das Feedback bei Lesungen in Schulen zeigt. Neben den ernsten Themen gibt es im Roman auch humorvolle Stellen, die bei der Lesung für einige Lacher beim Publikum sorgten. Wer das Buch nicht nur lesen, sondern auch sehen möchte, kann die Theateradaption in dieser Spielzeit am Düsseldorfer Schauspielhaus besuchen. Die nächsten Aufführungen sind am 23. und 24. November um jeweils 20 Uhr.

:Maike Grabow

 
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