„Perspektiven für Sprach- und Literaturwissenschaftler“ informiert über Berufschanchen für PhilologInnen
Gegen die Alternativlosigkeit des Lehramts
Foto: Tim Mueller
Und, wie fandet ihr’s? Für die Karrieremesse für PhilologInnen bekam das studentische Orga-Team ein positives Feedback. Foto: Tim Mueller
Und, wie fandet ihr’s? Für die Karrieremesse für PhilologInnen bekam das studentische Orga-Team ein positives Feedback.

Dem Klischee zufolge gibt es Heerscharen von TaxifahrerInnen mit abgeschlossenem Philologiestudium – und eben solche, die es mangels anderer Ideen ins Lehramt verschlagen hat. Dass es neben dieser scheinbar alternativlosen Berufsaussicht noch weitere Perspektiven für Sprach- und LiteraturwissenschaftlerInnen gibt, bewies am 26. Februar eine von Studierenden organisierte Veranstaltung im Euro-Eck im Europahaus.

Dass eine Veranstaltung zu Karrieremöglichkeiten für PhilologInnen auf Interesse stoßen wird, war Babette Hinterleitner aus dem Orga-Team der Messe „Perspektiven für Sprach- und Literaturwissenschaftler“ nach einer Analyse des studentischen Bedarfs klar – mit dem tatsächlichen Andrang haben die KIG-Studentin und ihr Team trotzdem nicht gerechnet. „Wir mussten Leute wegschicken, da es sonst zu voll geworden wäre.“

Mit etwa fünfzig BesucherInnen habe man gerechnet – am Ende waren es mehr als doppelt so viele, die den Vorträgen von RUB-Alumni lauschen wollten, die nach ihrem abgeschlossenen Studium etwa in der Unternehmenskommunikation, in Verlagen oder in Online-Redaktionen arbeiten.

Studentische Probleme erkennen und lösen

Organisiert wurde die Veranstaltung von Babette Hinterleitner und drei Kommilitoninnen im Rahmen des Optionalbereichsmoduls „Theorie und Praxis des Projektmanagements“, dessen TeilnehmerInnen in Kleingruppen über ein Semester hinweg gemeinsam Projekte erarbeiten, die realen Missständen an der RUB entgegen wirken soll. Mit der unter vielen Studierenden vorherrschenden Unklarheit über die Karrieremöglichkeiten mit einem Philologie-Abschluss haben die vier Organisatorinnen, die größtenteils selbst geisteswissenschaftliche Fächer studieren, ein Problem erkannt, das längst nicht nur an der RUB existiert.

Ein weiteres Beispiel für diese Unklarheit wurde in einer Anekdote von RUB-Alumni Christopher Hucke deutlich, der im Rahmen der Veranstaltung seine Erfahrungen schilderte. Wie viele andere auch hatte er damals nach dem Studium „etwas mit Medien“ machen wollen. Auf diese Aussage habe seine Studienberaterin nur geantwortet, dass ein Medium prinzipiell alles sein könne, auch ein Blatt Papier. „Sie sagte zu mir ‚Wer etwas mit Medien machen will, will also eigentlich alles machen – und doch nichts Bestimmtes.‘“ Letztendlich landete Hucke in der Unternehmenskommunikation des Heiztechnik-Konzerns Vaillant, allerdings nicht, ohne vorher Praktika in der Industrie absolviert zu haben.

Die Auswahl der übrigen Alumni zeigte jedoch, dass es tatsächlich die berüchtigten Medien sind, die Sprach- und LiteraturwissenschaftlerInnen Karrieremöglichkeiten bieten – wer dabei jedoch denkt, mit einem guten Schreibstil sei es schon getan, wurde etwa von Online-Redakteur Ralf Bußmann eines Besseren belehrt. „Wer in eine Online-Redaktion möchte, muss nicht unbedingt programmieren können – aber HTML-Kenntnisse sind schon notwendig.“ Bei der Arbeit im Verlagswesen ist es laut Martin Woesler vom Westdeutschen Universitätsverlag hingegen unerlässlich, mehrere Fremdsprachen so gut zu beherrschen, dass man mit ausländischen GeschäftspartnerInnen Gespräche führen kann. Eine Erkenntnis, die auch die meisten TeilnehmerInnen bei der späteren Evaluation der Veranstaltung als wichtigstes persönliches Fazit angaben.

:Birthe Kolb

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