Literaturautomat im Mensafoyer
Gedichte statt Zichte
Akafö
Lesefutter: Annika Restin, Christoph Finke und der Literaturautomat vom Kultur­zentrum „zakk“ in der Mensa. Foto: Akafö
Lesefutter: Annika Restin, Christoph Finke und der Literaturautomat vom Kultur­zentrum „zakk“ in der Mensa.

Mitten in den Semesterferien wurde im Foyer der RUB-Mensa ein alter Zigarettenautomat aufgestellt. Doch statt Glimmstängeln kann man sich aus der umgebauten Maschine verschiedene Sorten Literatur ziehen. Einmal Prosa light oder lieber Lyrik Strike? Für zwei Euro kann man sich überraschen lassen.

Der Automat in der Mensa ist der erste seiner Art in Bochum, aber bereits der 14., den die Lyrikerin Pamela Granderath und die Kulturmanagerin Christine Brinkmann aus Düsseldorf aufgestellt haben. Der erste Automat wurde bereits 2006 im Düsseldorfer Kulturzentrum zakk, an dem Granderath tätig ist, eingeweiht. Dieser ging auf Reisen durch verschiedene Orte der Landeshauptstadt, in den folgenden Jahren wurden weitere Automaten her- und aufgestellt. Diese „etwas andere Verbreitung von Literatur“ findet nunmehr an zahlreichen Orten an Rhein und Ruhr statt, aber auch in Leipzig, Stuttgart und Venlo. Ein Exemplar hat es zeitweise sogar ins Goethe-Institut in der marokkanischen Hauptstadt Rabat geschafft.

Das neuste Gerät im Mensafoyer ist eines mit großer Auswahl: Neun Texte von bekannten NachwuchsautorInnen stehen zur Auswahl sowie eine Überraschungsbox, in der auch Daumenkinos oder ein Fotobändchen stecken können.

Ich, die leckere Ochsenschwanzsuppe

Die Büchlein selbst sind noch kleiner als die zigarettenschachtelgroßen Boxen, in denen sie in den Ausgabeschacht plumpsen. Dafür enthalten die Boxen aber bisweilen auch kleine Extras wie Anstecker. Was für ein Werk man sich zieht, bleibt meist Glückssache: Die schwarz-weißen Vorschaucover verraten meist nichts außer Autor oder Autorin und Titel. So kann es sein, dass man sich ein marihuana-inspiriertes Versepos über die Suche nach der Bund-der-Vertriebenen-Präsidentin Erika Steinbach zulegt, eine Anekdote über Ausländer bei der deutschen Polizei oder ein Gedicht aus der Ich-Perspektive einer leckeren Ochsenschwanzsuppe.
Der Preis pro Seite ist vielleicht relativ hoch, doch kommt der Erlös den KünstlerInnen zugute und die Literatur, die man erhält, ist nicht alltäglich. Außerdem sind Vorfreude und die Überraschung im Preis inbegriffen, auch ein gewisser Sammeldrang stellt sich schnell ein.
 

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