Neue Nachwuchsforscher*innengruppe gegründet
Forschung zu rechter Gewalt
Reclus, CC0 https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en
Als Opfer rechter Gewalt anerkannt: Die NSU-Morde zählen auch in den polizeilichen Statistiken als politisch motiviert, dies ist nicht bei allen Fällen rechter Gewalt so. Reclus, CC0 https://creativecommons.org/publicdomain/zero/1.0/deed.en
Als Opfer rechter Gewalt anerkannt: Die NSU-Morde zählen auch in den polizeilichen Statistiken als politisch motiviert, dies ist nicht bei allen Fällen rechter Gewalt so.

Wissenschaft. Bochumer Kriminolog*innen erforschen die Wahrnehmung rechtsradikaler und rassistisch motivierter Straftaten.

Der Anstieg extrem rechter und rassistischer Straf- und Gewalttaten seit 2015  ist für den Lehrstuhl Kriminologie II von Prof. Tobias Singelnstein Anlass, sich der Thematik zu widmen. Eine Nachwuchsforscher*innengruppe mit dem Namen „Rechtsextreme Gewaltdelinquenz und Praxis der Strafverfolgung“ untersucht verschiedene Aspekte der Thematik. Drei Doktorand*innen werden über einen Zeitraum von drei Jahren mit etwa 180.000 Euro von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert. Während sich Hendrik Puls mit den Dimensionen rechtsmotiviertem Lone-Actor-Terrorismus beschäftigt, analysiert Antisemitismusforscher Max Laube die Täterstruktur rechter Gewaltdelinquenz von 2013 bis 2016; die Soziologin Claudia Tutino promoviert zu rechter Gewalt im urbanen Raum und nimmt die polizeiliche Wahrnehmung und Bewertung rechtsmotivierter Gewaltdelinquenz in deutschen Großstädten unter die Lupe.
Neben den Dissertationsthemen interessiert die drei Wissenschaftler*innen auch die Frage, wie sich die Praxis der Strafverfolgungsbehörden bei rechtsradikal motivierten Straftaten gestaltet. Dies liegt an der Tatsache, dass der „Tagesspiegel“ und „Zeit Online“ weit mehr als 100 Todesfälle aufgrund rechter Gewalt ermittelt haben, in den polizeilichen Statistiken jedoch nur ein Bruchteil dieser Taten als politisch motiviert eingeordnet wird.

Auftaktveranstaltung

Die Arbeit der Nachwuchsforscher*innengruppe beginnt am Montag, 11. März (Nach Redaktionsschluss, Anm. d. Verf.), im Blue Square. Kriminologen, Politikwissenschaftler und Soziolog*innen diskutieren dort die Verzerrung der öffentlichen Wahrnehmung der Zahl von Todesopfern rechter Gewalt in Deutschland. Politikwissenschafler Dr. Michael Kohlstruck von der Technischen Universität Berlin, Prof.  Christoph Kopke, Politikwissenschaftler an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, Soziologin Ceren Türkmen  und Mitglied der Forschungsgruppe Hendrik Puls berichten über ihre Arbeit diskutieren Verdachtsfälle aus Nordrhein-Westfalen.

:Justin Mantoan