Tag und Nacht Spaß haben in Bochum
Flucht aus dem Bermudadreieck
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Die Discokugel in der Rotunde: Bringt Partyatmosphäre in Lesungen, Kunstfestivals und – Partys. Foto: mar
Die Discokugel in der Rotunde: Bringt Partyatmosphäre in Lesungen, Kunstfestivals und – Partys.

Der Suchbegriff „Studenten Party“ erzielt auf Google 3,36 Mio. Treffer, die Wörter „Studenten Seminar“ hingegen nur 2,16 Mio. Die Prioritäten sind also klar. Und obwohl Bochum trotz Uni nicht den Charakter einer Studentenstadt hat, sondern eher eine Industriestadt ist, in die man ein paar Betonklötze namens RUB hingestellt hat, weiß man auch hier wie man seine Abende einzigartig zünftig gestalten kann.

Eine bekannte Situation: Kaum hat man seine Seminarvorbereitungen erfolgreich auf den nächsten Tag unmittelbar vor Seminarbeginn verlegt, ergibt sich die Frage: Was stellt man heute Abend an? Schließlich ist Mittwoch, man muss feiern, dass das Wochenende nah ist. Man ist doch jung und hat keine Zeit mit Langeweile zu verlieren. Die Standardlösung in Bochum: Auf einen Cocktail ins Bermuda3eck. Allein, „Bermudadreick-Preise“ ist fast schon ein feststehender Begriff, der meistens mit einem „Da kann man eh nichts machen“-Seufzen ausgesprochen wird. Doch, man kann! Und gleichzeitig kann man dem Einheitsbrei aus Pseudomexikanisch und oberflächlichem Chic entkommen.
Klar, im Bermudadreieck kann jeder seinen Spaß haben. Sich mit Coktails betüddelt machen und dann in eine der nahen Discos. Der Verfasser dieser Zeilen ist der letzte, der was gegen wirklich wilde Partys hat, aber der Drang, Neues zu entdecken, wird im Offline-Viertel befriedigt. Und Bier gibt’s dort auch.

Das Konkurrenz-Dreieck

Das Offline-Viertel sind eigentlich zwei Bochumer Viertel: Das Ehrenfeld und das Westend, zwischen Schauspielhaus und Westpark. Da beide gute Nachbarn sind und es in beiden ähnlich spannend zugeht, haben sich Veranstalter und Wirte der Gegend vernetzt und sich den Namen OFFline gegeben. Die Galerien, Theater, Kneipen und Lokale hier sind nicht schlipstragend institutionalisiert, nicht räuberisch kapitalistisch, sondern „off“: Klein und bescheiden, doch kreativ und mit großen Ambitionen. Ziemlich studentisch eben. Dabei brauchen sich die Läden hier keineswegs hinter den großen Namen zu verstecken.

Kommen wir zurück zu unserem Mittwochabend. 20 Uhr. In den Rottstr5 Kunsthallen findet das wöchentliche „Ritual“ statt. Christiane Conradt spielt ihr Cello und liefert für eine halbe Stunde klassische Musik, die wir doch irgendwie alle mögen und doch irgendwie nie hören. Hier nun als schöner Abendauftakt, live und gratis. Nun zum Hauptteil des Abends. Entweder eine Unterführung und vier Häuser weiter ins R15. In Wohnzimmeratmosphäre einer Lesung aus Autorenfeder und -mund lauschen, dabei ein Stück wiederbelebte Bochumer Tradition genießen: Ein Schlegel-Pils. Oder zwei oder drei... Oder mehr Livemusik – aber diesmal mit Gitarre? Dann aber hin ins Biercafé. Ja, es ist eng, aber die jungen Musiker grooven. Oder doch lieber mehr Party? In der Goldkante heißt es „4 Stunden – Vier Djs“. Noch schnell nen Cocktail im Freibad, ist ja nebenan. Und irgendwie bleibt es nie bei dem einen Drink, dem einen Bier, dem kleinen Cocktail, den man sich vorgenommen hat... Und dabei ist erst Mittwoch! Wie soll da erst das Wochenende werden?

Das Wochenende fängt am Donnerstag an

Der Mittwoch war zwar ziemlich stark, aber noch keine richtige Party. Ab Donnerstag wird Gas gegeben, Freitage und Samstage sind zum Tanzen und Rocken da!
Partyreihen wie „Elektroliebelei“ in der Rotunde hinterm KAP (das innenstadtabgewandte Ende des Bermuda3ecks) oder [audio‘fi:l] in der Evebar beglücken Elektrophile. Gitarrenklänge sind eher im Riff hinter der Rotunde zu hören oder im Innern der Innenstadt im Untergrund. Wer zu Gitarrenklängen aber eher seine Matte schütteln möchte, steigt just in die S-Bahn nach Langendreer und zeigt in der Matrix, was seine Nackenmuskeln zu leisten imstande sind. Dort und in der Zeche sollte man die Augen aufhalten nach Terminplänen: In beiden Läden packen oft und gerne namhafte Rock- und Metal-Bands ihre Instrumente aus.
Wir merken, dass sich das Bermuda3eck und das Offline-Viertel nicht ausschließen. Im Gegenteil, sie ergänzen sich bestens. Und letztlich enden denkwürdige Nächte doch oft genug beim Tanz in den Morgengrauen im Intershop.

Die besten Partys finden auf dem Campus statt

Was für eine Woche! Die nächste wird ruhiger. Da wird nur an einem Tag bis in die Puppen Party gemacht – nämlich am Donnerstag, wenn eine Fachschaftsparty ansteht. Das sind erfahrungsgemäß die Besten! Nette Leute, lässige und ausgelassene Stimmung und stimmige Preise. Aber den Rest der Woche wird ja nicht zu Hause rumgegammelt. Das kann man im Altersheim genug. Da ziehen wir uns die Theaterfassung von „Fight Club“ im Rottstr5Theater rein und besuchen einen Bildhauerei-Kurs. Oder treffen uns einfach mit Freunden. Muss ja nicht immer Alkohol dabei sein, muss ja nicht immer bis nachts sein, um schön zu sein. Kann es aber gerne.
 

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