Fünf RUB-Exzellenzcluster reichen Antragsskizzen bei der DFG ein
Exzellentes Plasma, exzellente Tradition
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Fünf Exzellenzcluster der RUB: Die Themen variieren von Materialsynthese durch Plasmen bis zur Ergründung von Tradition.  Foto: tom
Fünf Exzellenzcluster der RUB: Die Themen variieren von Materialsynthese durch Plasmen bis zur Ergründung von Tradition.

Wettbewerb. Bei der DFG sind bis dato 195 Antragsskizzen im Rahmen der Förderlinie Exzellenzcluster der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder eingegangen. Fünf stammen von der RUB, unter anderem in Form gemeinsamer Anträge der UA Ruhr (Universitätsallianz Ruhr). 

Bis zur Einreichfrist am 3. April sind 195 Skizzen aus insgesamt 63 Universitäten aller 16 Bundesländer eingegangen, darunter 47 von mehreren Universitäten im Verbund. Die thematischen Schwerpunkte sind dabei relativ gleichgewichtig verteilt: Die Naturwissenschaften machen 27 Prozent der Bewerbungen aus, die Geistes- und Sozialwissenschaften 25 Prozent und die Ingenieur- sowie Lebenswissenschaften sind mit jeweils 24 Prozent vertreten. Für die veranschlagten 45-50 Exzellenzcluster, durch welche an Universitätsstandorten international konkurrenzfähige Forschungs- und Bildungseinrichtungen etabliert werden sollen, seien laut DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) jährlich rund 385 Millionen Euro an Fördermitteln vorgesehen. Um ein Teil dieses Geldes bewerben sich auch fünf Exzellenzcluster mit RUB-Beteiligung, von denen im Folgenden zwei vorgestellt werden.

Das andere Plasma

RUB-Professor Achim von Keudell von der Fakultät für Physik und Astronomie untersucht mit seinen Kollegen Plasmen als Systeme im Nichtgleichgewicht sowie deren Kopplung an andere Materiezustände wie Festkörper und Flüssigkeiten. Plasmen in der Physik bezeichnen generell Gase, denen Energie zugefügt wird, um sie teilweise oder vollständig zu ionisieren. Plasmen befinden sich oft im Nichtgleichgewicht, bei dem zum Beispiel jede Teilchensorte des Plasmas ihre eigene Temperatur besitzt. Laut von Keudell eignen sich Plasmen zur energieeffizienten Umwandlung des Klimagases CO2 in wertvollen Treibstoff. Des Weiteren eignen sich Plasmen für die Materialsynthese, da man durch ein Plasma im Nichtgleichgewicht auch sehr empfindliche Oberflächen sehr flexibel beschichten könne. Daraus ergeben sich neue Konzepte für Elektroden von Batterien oder für Katalysatoren mit sehr hohen Standzeiten. Der „visionärste“ Teil der Forschung liege, so von Keudell, im Koppeln von Biotechnologie mit Plasmen, bei der die Umwandlung von Kohlenwasserstoffen durch ein Enzym durch ein Plasma gesteuert und so energieeffizienter wird.

Was ist Tradition?

„Der Begriff der Tradition ist im akademischen und öffentlichen Diskurs omnipräsent“, erklärt Religionswissenschaftler Prof. Volkhard Krech. Die derzeit zu beobachtende Hinwendung großer Bevölkerungsgruppen zu nationalistischem Gedankengut verbinde sich häufig mit der Vorstellung, es gelte eine Tradition zu verteidigen. Vermeintliche kulturelle Eigenarten würden in diesen Fällen als Tradition reklamiert und „universalisierenden Strömungen entgegengesetzt“. Krech dazu weiter: „Die besondere Wirkmächtigkeit von Tradition scheint dabei darin zu liegen, dass die Bezeichnung von etwas als Tradition ein darauf gründendes Handeln jedweder weiteren Begründungspflicht entbindet.“ Dies betreffe aber nicht nur politische Kontexte, sondern weite sich auf andere gesellschaftliche Felder aus. „Unter welchen Bedingungen, wie, warum und mit welchen Folgen entstehen Traditionen? Auf welche Weise stellen sie die Verbindung zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft her?“ bilden dabei zentrale Fragen des Clustervorantrags. 

Über die Antragsskizzen der Exzellenzcluster wird am 27. September 2017 durch die entsprechende Kommission entschieden. Dann klärt sich, wer in die Endauswahl kommt und bis zum 19. Februar 2018 einen Vollantrag stellen darf.            

:Tobias Möller