Die erste Drag*-Show in Bochum
Ein Fest auf die Unvollkommenheit
Bild: Jürgen Kloos
Foxxyma Schnell, Hole de Moët und Sevilla Schlampanja (v.l.): Nach dem aufwendigen Styling beim Drag*-Workshop werden viele Fotos geschlossen. Bild: Jürgen Kloos
Foxxyma Schnell, Hole de Moët und Sevilla Schlampanja (v.l.): Nach dem aufwendigen Styling beim Drag*-Workshop werden viele Fotos geschlossen.

Interview. Wir haben mit Fuchsi vom Autonomen Schwulenreferat aka Tunte Foxxyma Schnell über die Referatsarbeit, speziell über den „November of Drag*“ geredet. Ergänzend zu den Drag*-Workshops und dem Schwulen Sektempfang fand am Freitag zum ersten Mal eine Drag*- und Tunten*-Show statt: ein „Mega-Erfolg“.

:bsz: Wie kamst Du zur Arbeit im Autonomen Schwulenreferat an der RUB und wo siehst Du Euren Fokus?

Fuchsi: Ich bin seit Oktober offiziell Referent an der RUB, aber schon fünf Jahre in der Referatsarbeit in Bochum und Essen tätig. Mittlerweile sehe ich in der Community wieder den Willen, aktivistisch zu arbeiten. Das machen wir hier nur zum Teil: Wir sehen uns vor allem als Anlaufstelle für schwule Studenten; wir haben ’ne coole Zeit und machen Aktionen. Anders als Referate an anderen Unis, sind wir kein queeres, sondern ein reines Schwulenreferat. Wir versuchen unsere Veranstaltungen hauptsächlich nach den Interessen von schwulen Studierenden auszurichten, aber sie stehen natürlich jedem offen.

Wie werden Eure Veranstaltungen, besonders der „November des Drag*“ der letzten Tage, angenommen?

Das schwankt. Relativ viele Studierende an Ruhrgebiets-Universitäten pendeln, weshalb die Referate mit schwindenden Besucherzahlen kämpfen. Der Sektempfang ist tatsächlich unser Aushängeschild. Mit der diesjährigen Drag*- und Tunten*-Show haben wir einen draufgesetzt; damit, dass das so gut ankommt, hätten wir selbst nicht gerechnet. Beim Aufbau haben wir drei Stuhlreihen aufgestellt und Hüseyin (Anm. d. Red.: Geschäftsführer des KulturCafés) hat gesagt: „So viele kommen doch niemals“. Als ich dann auf die Bühne bin, fiel mir fast alles aus dem Gesicht bei der Masse an Menschen!

Wie habt Ihr das Format gestaltet und wie war die Stimmung?

Weder wir noch das Publikum wussten, worauf man sich einlässt. Wir haben uns ja mehr an Tunten*-Shows als an den Drag*-Shows aus dem amerikanischen Raum orientiert. Bei Letzteren geht es um eine möglichst professionelle, glamouröse Impersonation. Die Tunte ist eher ein deutsches Produkt aus den 70ern mit einer politischen Basis, das Geschlechtergrenzen auflösen will und Unvollkommenheit zelebriert. Das Publikum musste erst warm werden mit dieser Zwanglosigkeit. Letztendlich hat es aber grandios funktioniert und ich gehe davon aus, dass wir das Konzept längerfristig implementieren können. Obwohl es eine Show zum Lachen war, waren die Beiträge größtenteils von hoher Qualität! Wir hatten etwa fünf Acts; eine Techniktunte und je zwei Moderatorinnen und Jury-Mitglieder; darunter eine Tunte aus Bonn und eine RUB-Professorin. Auch die Show soll Schutzraum sein – deshalb haben wir das Publikum gebeten, keine Fotos zu machen.

Wie kommt man zum Drag* und was gefällt Dir daran?

Ich bin auch eher eine Tunte. Mir geht es darum, die Differenz zwischen den Geschlechtern aufzuzeigen und verschwinden zu lassen. Bei einem Drag*-Workshop im November 2015 bin ich zum ersten Mal damit und mit dem RUB-Referat in Berührung gekommen. Ich weiß sonst nur noch von einem Drag*-Workshop im Schauspielhaus; den in Essen habe ich angestoßen und in Dortmund findet glaub ich gar nichts statt. Drag* ist ein Sparteninteresse, auch in der Queer-Community, aber wir sehen ihn als wichtigen Teil des Kulturgutes, den wir nach außen tragen wollen.

Wie schätzt dein Umfeld das neue TV-Format „Queen of Drags“ ein?

Die Meinungen sind einhellig: das Format und die Sichtbarkeit von Drag* im deutschen Fernsehen sind lange überfällig. Die Umsetzung ist an vielen Stellen ganz gut gemacht, aber es gibt riesige Kritikpunkte, darunter Heidi Klum als Jury-Mitglied ohne Drag*-Hintergrund und mit einer frauenfeindlichen TV-Sendung wie GNTM. Im Finale muss sich die schlechtplatzierteste „in die Mitte“ stellen: Für eine Empowerment-Show ist das ein No-Go.

:Marlen Farina