Treibgut präsentierte „Read & Roll“ im KulturCafé
Ein Abend mit pädagogischem Rundumschlag
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Melody hat sich kurz vor Beginn der Show für die Offene Bühne gemeldet – schade, wenn sie’s nicht getan hätte. Foto: mar
Melody hat sich kurz vor Beginn der Show für die Offene Bühne gemeldet – schade, wenn sie’s nicht getan hätte.
Für die Literaturinitiative Treibgut luden am 1. Juni Marock Bierlej (:bsz-Leserinnen als Marek Firlej bekannt) und Felicitas Friedrich ins KulturCafé zum „Read’n’Roll“, einer bunten Mischung aus Lesung und Poetry Slam, ein, die – großzügig betrachtet – einen roten Faden erkennen ließ.
 
Lehramtsstudent Tobias Keller eröffnet den Abend mit seinem Roman „Morgens leerer, abends voller“: Fabian Dreher,  Lehrer einer leistungsschwachen 9. Klasse, hat es nicht leicht mit seiner nervigen veganen Freundin. Ein eingeworfener VeganerInnenwitz polarisiert das Publikum – dafür beweist Keller mit  Reimen zur deutschen Syntax mehr Originalität: „Es gibt Hauptsatz, Nebensatz, Adidas, fick dich Spast“. Seine künftigen SchülerInnen dürfen sich auf einfallsreiche AGs zum Kreativen Schreiben freuen. Captain Latin alias Christofer mit F dichtet sich in die Herzen des Publikums und reimt von der Einsamkeit eines Altphilologen in Cordhosen, der streng über die korrekte Einhaltung der deutschen Grammatik wacht. Zurecht wird er mit Zwischenapplaus belohnt.
 
Auch bei den Treibgut-Mitgliedern Calvin Kleemann und Caroline Königs finden sich  Gemeinsamkeiten: Königs dystopischer Roman „Die verlorene Räson“ behandelt das obdachlose Leben Dorians zwischen „stinkenden Müllcontainern eines Nobelrestaurants“ und einer farblosen Welt, die „in Sepia eines lebenslang gefangenen Tintenfisches gestrichen war“. Lyriker Kleemann inszeniert seine geräuschvollen Gedichte zu Videospielen, falschen Schönheitsidealen und, ebenfalls, Sepiawelten.

Satanistische Schlaflieder

Wie erwartet, begeistert Headliner Micha-El Goehre mit seinen Geschichten aus dem Leben eines Metal-Fans: Mit seiner Traumfrau teilt er „Anti-Hass“, und das gemeinsame Kind wird mit satanistischem Liedgut zur Ruhe gebrüllt. Selbstironisch, klischeegeladen – das Publikum bittet um Zugabe.
 
Auf der Offenen Bühne runden Kai Bernhardt mit der Ruhr-Dystopie „Rückkehr der lebenden Toten aus den Stollen der Vergangenheit“ sowie Melody R. Martinez unter anderem mit der Frage nach der Bedeutung von Musik den gelungenen Abend ab.
 
Gastautorin :Elisa Tinnappel
 
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Philologie-Superheld: Christofer mit F lehrte als Captain Latin die Macht der toten Sprache im Alltag. Foto: mar
Headliner des Abends: Rockpoet Micha-El Goehre weiß, was bitterböse Black Metaller tagsüber machen. Foto: mar
Lehramts-Alpträume: M.Ed.-Student Tobi Keller versammelt in seinem Buch seine schrecklichsten Visionen von seinem zukünftigen Beruf. Foto: mar
Wortkonzerte: Laute und pathetische Poesie vom jüngsten Treibgut-Mitglied Calvin Kleemann. Foto: mar
Mit Krawall und Liebe: Treibgut-Mitglieder Marock Bierlej und Felicitas Friedrich führten durch’s Rock/Literatur-Crossover. Foto: mar
Spontan: Melody hat sich kurz vor Beginn der Show für die Offene Bühne gemeldet – schade, wenn sie’s nicht getan hätte. Foto: mar
„Darf ich kurz was kopieren?“ Micha-El Goehre (r.) vervielfältigte kurzerhand  in der :bsz-Redaktion einen text aus seinem Buch, um ihn spontan zusammen mit Christofer mit F performen zu können. Foto: mar
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