Hauptgericht Insekten?
Die umweltfreundliche Nahrung der Zukunft
Eigentlich gar nicht eklig: Speiseinsekten sind nicht nur nahrhaft, sondern auch besonders umweltfreundlich. Bild: stem
Eigentlich gar nicht eklig: Speiseinsekten sind nicht nur nahrhaft, sondern auch besonders umweltfreundlich. Bild: stem
Eigentlich gar nicht eklig: Speiseinsekten sind nicht nur nahrhaft, sondern auch besonders umweltfreundlich. Bild: stem

Nachhaltigkeit. Bei einem Vortrag des Kulturwissenschaftlichen Instituts Essen (KWI) ging es um Ernährung, die sowohl nachhaltig als auch gesund ist. Dabei wurden auch Insekten als Nahrungslieferant vorgestellt – mit Verkostungen.

Auf dem Tisch stehen unscheinbare Tassen, wie man sie von so ziemlich jeder öffentlichen Veranstaltung kennt. Weiße Keramik auf weißen Tischen, daneben blaue Servietten. Doch der Inhalt der Tassen ist deutlich ungewöhnlicher als der übliche Konferenzkaffee. In einer Reihe aufgestellt: Grillen, Heuschrecken, Buffalo-, wie Mehlwürmer. Daneben Powerriegel aus Insektenmehl. Insekten gelten häufig als Nahrungsmittel der Zukunft. Da sie ihre Körperwärme nicht selbst produzieren müssen, ist ihre Zucht äußerst energiesparend. Auch beinhalten sie zahlreiche Nährstoffe, Proteine und sind dabei kalorienarm. Dies erklärte Dr. Steven Engler, Koordinator des Forschungsbereichs „PartizipationsKultur“ vom KWI im Vortrag „Welternährung: Vier verschiedene Küchen, ihre Entstehungskontexte und die geschmacklichen Eigenheiten“. Die Veranstaltung diente als Abschluss der Reihe „Esskultur – Perspektiven auf Geschmack und Ernährung in einer globalisierten Welt“, die das KWI in Kooperation mit dem Verein [....] raum e. V. veranstalte.

Nachhaltig und gesund

Neben den Insekten stellte Engler eine Reihe von Ernährungsformen und Diäten dar, wie zum Beispiel die derzeit angesagte Paleo-Ernährung oder auch Clean Eating und Slow Food. Obwohl er an vielen Trenddiäten Kritik ausübt, beispielsweise in Form von Nährstoffmängeln oder einer unpraktischen Umsetzung im Berufsalltag, haben auch diese nicht nur Nachteile. „Selbst, wenn das nicht immer gute Ernährungen sind – alleine mit dem Schritt, sich bewusst zu ernähren, denke ich, macht man einen gesundheitlichen Fortschritt“ im Vergleich zu einer unbewussten Ernährung, so Engler.

Zur gesunden und nachhaltigen Ernährung bedarf es jedoch Handlungswillen. Dieser ist schwer, aufzubringen, wie Engler bestätigen kann. Denn als er versuchte, den Nahrungslieferanten der Kita seiner Kinder zu wechseln, stimmten abseits von ihm keine der 80 Elternpaare zu, obwohl viele der Eltern das bisherige Essen ebenfalls kritisierten. Der neue Lieferant hätte jeden Elternteil monatlich zwei bis drei Euro mehr gekostet, so Engler.

Snackbare Tierchen

Ein paar der Würmer liegen in meiner Hand. Wie winzige Erdnussflips werfe ich sie in den Mund. Ein klar erkennbarer Eigengeschmack ist den ungewürzten Würmern nicht zuzuordnen, obwohl sie durchaus aromatisch und angenehm schmecken. Klischees von einer nussigen Note schwirren in meinem Kopf herum, Filmabende mit Heuschrecken anstatt Erdnüssen. Engler zieht den Vergleich zu Supermarktfleisch: „Eigentlich finde ich Insekten ungewürzt deutlich geschmacksintensiver als normales Fleisch, das ungewürzt ist. Hol‘ dir mal ein Stück Rindfleisch und mach wirklich nichts dran. Das schmeckt nach nichts.“ 

In Deutschland sind Speiseinsekten seit Januar 2018 im Handel zugelassen. Mittlerweile gibt es im Internet und in einigen Großstädten bereits erste Anbieter der Energielieferanten, doch da der Absatzmarkt sehr klein ist, kosten Speiseinsekten noch recht viel. Bis sie abseits von Großstädten im Handel angeboten werden, wird ebenso noch viel Zeit vergehen. 

:Stefan Moll

Autor(in):