Kornblume am Jacketrevers: Tabubruch oder doch nur eine blaue Blume?
Die Sache mit der blauen Kornblume
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Unschuldige Blume oder Nazisymbol? Kornblumen sind nicht nur botanisch vielfältig …	Symbolbild
Unschuldige Blume oder Nazisymbol? Kornblumen sind nicht nur botanisch vielfältig …

Politik. Wegen des öffentlichen Auftritts eines RUB-Mitarbeiters, der als AfD-Politiker aktiv ist, gab es auf der Facebook-Seite der Ruhr-Uni heftige Kritik. Der Grund des Anstoßes: eine am Revers getragene blaue Kornblume.

Am 25. September schrieb ein Nutzer auf der Facebook-Seite der RUB:  „Liebe Ruhr-Uni, mit seinem gestrigen Auftritt hat der am Lehrstuhl für Recht der Wirtschaft angestellte Matthias Helferich schlussendlich unter Beweis gestellt, wessen Geistes Kind er ist. Durch das Tragen einer Kornblume am Jackettrevers stellt er sich in die Tradition der Schönerer-Bewegung, sowie der Nationalsozialisten in Österreich. […] Denken Sie wirklich, dass eine solche Person zum Motto der Ruhr-Universität passt? Menschlich? Weltoffen? Wohl kaum!“

Die Uni distanzierte sich zunächst via Facebook von „jeglicher radikalen oder extremen politischen Gesinnung“, unternahm aber keine weiteren Schritte. Nachdem der Beitrag innerhalb kurzer Zeit fast 1.000 Reaktionen erhielt und hitzige Debatten in den Kommentaren losgetreten wurden, gab man an, den Vorfall und die Vorwürfe näher untersuchen zu wollen. 

Ein eindeutiges Symbol?

Auf Nachfrage, ob die blaue Kornblume in ihrer Bedeutung einwandfrei dem Nationalsozialismus zugeordnet werden kann, schrieb Prof. Constantin Goschler vom Historischen Institut der RUB, dass sie als Symbol zwar nicht unproblematisch sei, aber uneindeutig und in Deutschland wenig verbreitet: 

„Eine der Traditionslinien – neben anderen, weniger belasteten – führt in der Tat zur Schönerer-Bewegung, und anscheinend benutzen FPÖ-Abgeordnete in Österreich dieses Symbol gelegentlich in provozierender Absicht.“

Helferich, der bei der Bundestagswahl als Direktkandidat der AfD in Dortmund kandidierte, gab im Interview mit der :bsz an, dass er die Blume auf der Wahlparty im Dortmund getragen hatte. Ihm ging es dabei vor allem darum, eine blaue Blume zu tragen, da dies „nun mal die Parteifarbe“ sei. Ihm sei bewusst gewesen, dass die Kornblume viele Symboliken hat – vielleicht sei daher eine Tulpe besser gewesen. Er trüge sie aber nicht in der Tradition der Schönerer-Bewegung. An der Universität würde er sie natürlich nicht tragen, da „Parteien an der Universität nichts zu suchen haben.“ 

Ende offen

Obwohl ihn der Vorfall persönlich ärgere, kommentierte Helferich die „Hexenjagd“ – mit Verweis zu einer vergangenen Veranstaltung an der Dortmunder Tafel (:bsz 1114) – als eine „für [die AfD] gute Möglichkeit, sich als Opfer darzustellen.“ Auf diese Art, so Helferich, würde man eine Chance versäumen, sich der AfD thematisch zu stellen. Dabei seien die meisten AfDlerInnen in Sachen politischer Erfahrung weniger fit als die Konkurrenz und die politische Agenda noch „an vielen Stellen unausgereift“.  

Auf Anfrage der :bsz wiederholte die RUB ihre Position zu dem Vorfall: „Solange ein Beschäftigter der RUB nicht strafrechtlich verfolgt oder verurteilt wird, hat er grundsätzlich das Recht, an der Universität zu arbeiten. Die öffentliche Diskussion um die Äußerungen und Auftritte von Herrn Helferich haben wir im Blick und setzen uns sachlich damit auseinander. Gerade weil wir als weltoffene Universität auf dem Standpunkt stehen, dass radikales oder extremistisches Gedankengut keinen Platz auf dem Campus hat, plädieren wir für eine sachliche Diskussion und Auseinandersetzung.“

:Frederik Herdering