Rassismus lässt sich nicht mit steigendem Alkoholpegel entschuldigen
Die "Negerkönigin" bei RaR

Kommentar. Alkohol ist oft eine Ausrede für verbale Entgleisungen. Auch auf Festivals. Das kann und möchte ich nicht mehr akzeptieren. 

Während meines Aufenthalts auf dem Rock am Ring (RaR) Camp-  und Festivalgelände durfte ich mir so einiges anhören, wie zum Beispiel „Oh guck mal, die ‚Neger-Königin’ oder Kommentare wie „oh wieder schwarze Sklavenarbeit, das gefällt mir.“ 

Wenn KollegInnen oder ich eine Antwort gegeben haben, dann war der Alkohol dran schuld. Ich bin mir bewusst, dass Alkohol gerne mal die Zunge lockert und bis zu einem gewissen Punkt ist sowas akzeptabel. Aber wenn jemand massiv auf seine Hautfarbe oder sein Geschlecht reduziert wird, dann sollte man grundsätzlich überlegen, ob das nicht eher an der allgemeinen Einstellung als am Alkohol liegt. Gerade meine Kolleginnen und ich mussten uns Sprüche anhören, die weit mehr unter die Gürtellinie gehen und die ich hier gar nicht wiederholen mag. Die Hemmschwelle, solche Dinge zu sagen, ist einfach nicht mehr gegeben: Die Synapsen sind ausgeschaltet und das Gesagte ist gesagt. Oftmals kommen dann Entschuldigungen, die nicht ernst gemeint sind, sondern aus reiner Etikette genannt werden. Ich bin keine Aktivistin und erwarte nicht, dass sich die Leute gehoben benehmen. Gerade Festivals sind dazu da, um die Sau rauszulassen. Aber Menschen, die für das Wohlergehen sorgen, sollte man mehr schätzen und nicht abfällig behandeln, denn die „Negerkönigin“ sowie das Mädchen, das du angrabschst, sitzen am längeren Hebel. 

Denn lieber Herr Festivalbesucher,

wir sind die, die dir dein Bier zapfen, den Kaffee kochen oder das Brötchen schmieren. Wir sorgen dafür, dass Du alles so schnell wie möglich bekommst und achten auf die hygienischen Standards. All’ dies fällt uns extrem schwer, wenn Du uns behandelst wie ein Stück Fleisch, das Du durchnudeln willst – weil Alkohol und Triebe es Dir befehlen. 

 

Mit freundlichen und allerliebsten Grüßen, 

Deine „Negerkönigin“ und ihre Kolleginnen

 

 

:Abena Appiah