Essay: Auch um die Identität der Südstaaten herrscht in den USA ein Kulturkampf
Die Morde von Charleston und die Flagge der Konföderierten
Foto: HaloMasterMind (CC BY-SA 3.0)
Das South Carolina State House: Beim Denkmal für die konföderierte Armee wehte bisher die Südstaatenflagge. Foto: HaloMasterMind (CC BY-SA 3.0)
Das South Carolina State House: Beim Denkmal für die konföderierte Armee wehte bisher die Südstaatenflagge.

Der Senat von South Carolina hat die Südstaatenflagge vor dem Regierungssitz des US-Bundesstaates entfernen lassen. Auslöser war das im Juni verübte rassistisch motivierte Massaker in einer afroamerikanischen Kirche in der Stadt Charleston. Vom Täter wurde die Südstaaten-Flagge zuvor für seine Propaganda im Internet verwendet. Infolge der Bluttat ist es in den USA zu einer kritischen Debatte um jenes umstrittene Symbol aus der Zeit des Bürgerkriegs gekommen.

Rassismus war in diesem Jahr auch vor dem Anschlag von Charleston bereits ein Dauerthema der US-Öffentlichkeit. Bisher ging es dabei insbesondere um die willkürliche – und oft tödliche – Polizeigewalt gegen AfroamerikanerInnen. Nun ist als weiteres Element das Geschichtsbild der Südstaaten hinzugekommen. Also jener elf Bundesstaaten, welche 1860/61 die „Konföderierten Staaten von Amerika“ bildeten und sich von den USA abgespalten hatten.

Vielfach wird ihr von 1861 bis 1865 dauernder Sezessionskrieg heute als freiheitlich motiviert verklärt. Obwohl der Hauptgrund für diesen Kampf in Wahrheit eindeutig die vom Süden angestrebte Beibehaltung der Sklaverei war. Daher ist die Verwendung der „Rebellenflagge“ als traditionelles oder politisches Symbol auf jeden Fall problematisch. Mal abgesehen davon, dass die mit jenem Zeichen verbundene Südstaatenromantik vor allem aus ländlich-geprägtem Konservatismus besteht.

Symbol des Rassismus

Die Kontroverse geht inhaltlich allerdings über die Zeit der Sklaverei hinaus. Im 20. Jahrhundert wurde die Konföderiertenflagge von verschiedenen rassistischen Strömungen und Organisationen in den Südstaaten verwendet. Insbesondere in den 1950er und 1960er Jahren, als Symbol gegen die afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung und die Gleichberechtigung der Schwarzen. Bis heute verwenden viele AnhängerInnen des „White Power“-Rassismus und US-Neonazismus die Südstaatenflagge.

So posierte auch der 21-jährige Dylann Roof, der in Charleston neun AfroamerikanerInnen erschossen hat, um dadurch einen „Rassenkrieg“ auszulösen, auf Internetbildern mit der Konföderiertenflagge. Die Nationalflagge der USA wird von Roof hingegen demonstrativ angespuckt und verbrannt. Durch eben diese Bilder ist nun ein Kulturkampf neu aufgeflammt, der die Identität der Südstaaten betrifft.

Wandel durch Vielfalt

Die SenatorInnen von South Carolina dürfte zum schnellen Abhängen der Flagge sicherlich bewegt haben, dass der in Charleston ermordete schwarze Pastor Clementa C. Pinckney zugleich Mitglied ihres Senats war (für die Demokraten). Auch Gouverneurin Nikki Haley (Republikaner), die aus einer indischen Familie stammt und der rechtskonservativen Tea-Party-Bewegung nahesteht, sprach sich entschieden für die Entfernung der Flagge aus. Was sich hier andeutet: Die Südstaaten der USA werden zwar noch lange Zeit christlich-(neo)konservativ dominiert sein – doch die Zeit der einseitigen Orientierung auf weiße Befindlichkeiten endet auch dort langsam.

:Gastautor Patrick Henkelmann

 

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