Orange Goblin veröffentlichen mit „The Wolf Bites Back“ ihr neuntes Studioalbum
Die Goblins sind wieder los

Rezension. Mit „The Wolf Bites Back“ melden sich Orange Goblin fulminant zurück. Auch die neuste Platte geht zurück in der Zeit.

Orange Goblin aus Großbritannien wirkten schon bei ihrer Formierung Mitte der 1990er Jahre wie ein Relikt der für die Rockmusik so glorreichen 1970er Jahre. Spätestens ihr zweites Album wies den Weg der Briten aus: „Time Travelling Blues“. Dass sie das mit den Zeitreisen drauf haben, wurde bis dato mit neun Alben unter Beweis gestellt, aber den vier Rockern nur Blues zu unterstellen, wäre bei einer so breiten Palette fatal. Von Stoner-, Doom- und Groove Metal über Hard Rock bis Punk ist neben dem bereits erwähnten Blues alles irgendwie dabei. Und Orange Goblin haben das alles drauf. Beweisstück G: „The Wolf Bites Back“. Während man sich bei den alten Alben an Bands der Hard-Rock-Ära orientierte, suchen die Goblins nun in ihrer eigenen Bandhistorie nach Inspiration. Und das klappt ganz wunderbar. Wenn Geister, Aliens und Hexenkinder besungen werden, krachen die Gitarren oder werden die Saiten rhythmussicher gezupft. Und irgendwie passt das alles.

 

Ausflug in eine frühere Zeit 

„The Wolf Bites Back“ ist eine eigene kleine Zeitreise in die zwanzigjährige Bandgeschichte von Orange Goblin. Und so erstaunt es auch nicht, dass spätestens beim Song „Suicide Division“ die härtere, gewiss etwas schäbige Punk-Gangart der 2000er wiedererkannt wird. Der direkt folgende Blues-Kracher „The Stranger“ versetzt die/den HörerIn hingegen direkt in die Anfangstage der Band und auch das ist gelungen wie seinerzeit Brecher à la „Blues Snow“. 

„The Wolf Bites Back“ ist ein vollgepacktes Album. Auf genau 40 Minuten und 30 Sekunden begibt man sich auf eine wirklich bis zum Anschlag vollgepackte Zeitreise. Kein stilistischer Ausrutscher der Bandgeschichte bleibt unbearbeitet, kein bisher beackertes Feld ungepflügt. Das mag für EnthusiastInnen und die-hard-Fans der Band erfreulich sein. NeuhörerInnen könnten jedoch von Zeit zu Zeit abgeschreckt werden, zu groß die Differenzen zwischen einzelnen Passagen des Albums. Nichtsdestoweniger gelingt es Orange Goblin, sich – vielleicht erstmals in der eigenen Geschichte – zwar nicht selbst neu zu erfinden, aber mehr als 20 Jahre Bandgeschichte Revue passieren zu lassen. Und das ist tatsächlich gelungen.

:Justin Mantoan