Fake News und die Lügenpresse
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Cristina Helberg kennt sich mit dem Thema aus: „Einige Fake News zielen auf bestimmte Gruppen ab“, erklärt sie. Bild: mag
Cristina Helberg kennt sich mit dem Thema aus: „Einige Fake News zielen auf bestimmte Gruppen ab“, erklärt sie.

Vortrag. Was bedeutet „Fake News“? Und was kann man dagegen tun? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Veranstaltung „Wir und die Lügenpresse“ an der RUB. Cristina Helberg deckt täglich Falschmeldungen auf und weiß, was „Fake News“ bedeutet. 

„Das sind alles nur Fake News“ ist mittlerweile ein gängiger Spruch. Bei der Veranstaltung vergangene Woche, organisiert vom Referat für Politische Bildung, wurde der Begriff hinterfragt und nach Lösungen gesucht. Neben Input von den ReferentInnen Cristina Helberg und Rouven Kasten gab es Zeit für Fragen und Anmerkungen des Publikums.

 

Alles fake? 

Cristina Helberg arbeitete als freie Journalistin, bevor sie bei dem journalistischen Portal „CORRECTIV“ anfing. Dort ist sie im Bereich „EchtJetzt“ als Faktencheckerin tätig und meldet Falschmeldungen. Das Thema ist somit Bestandteil ihres Alltags. Sie berichtet, dass es verschiedene Formen von Falschmeldungen gibt: Enten, Beleidigungen und Verleumdungen sowie Social Bots. Doch die wichtigste Form seien „Fake News“. „Das sind die wirklichen falschen Nachrichten, die auf den Zusammenhalt der Gesellschaft abzielen. Sie greifen unseren zentralen Wert an und haben das Ziel, die Demokratie zu zerstören“, erklärt die Journalistin. Dazu nennt sie zwei Beispiele von Fake News. Der eine Artikel stammt aus der britischen „Breitbart“ mit dem Titel: „Revealed: 1,000-Man Mob Attack Police, Set Germany’s Oldest Church Alight on New Year’s Eve“ (:bsz 1110). Zum einen sei es falsch, dass in Dortmund die älteste Kirche Deutschlands stehe, eine gezielte Lüge also, „aber es hat an Silvester 1.000 Menschen gegeben, von denen sich auch ein paar daneben benommen haben, aber eben nur 20 bis 30.“ Genauso kompliziert wie die mathematischen Formeln auf der Tafel ist das Thema „Fake News“.

Zum Schluss geht Cristina Helberg noch auf die Frage ein: Was tun? „Es gibt Dinge, die man tun kann. Das haben wir auch bei unserer Arbeit gemerkt“, erklärt sie. „Das Erste ist, Institutionen zu stärken. Das heißt, man muss transparent arbeiten.“ Mit Institutionen meine sie Zeitungen sowie die Staatsanwaltschaft, die Polizei und andere. Die LeserInnen müssten sich einbringen. „Es geht nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen, Fehler können passieren, aber wir müssen gemeinsam daran arbeiten, dass es transparenter wird. Je transparenter es ist, umso mehr Möglichkeiten gibt es, einzugreifen.“ Dazu gehöre auch, dass den Menschen journalistische Arbeit nähergebracht werden müsse. „Wenn jeder lernt, Fake News zu erkennen, zu überprüfen und selber verhindern kann, diese zu verbreiten, dann können wir nach und nach dagegen arbeiten.“

 

Fakten klären

Nach ihrem Vortrag diskutiert das Publikum gemeinsam mit ihr und Rouven Kasten über das Phänomen und die Lösungen. Rouven Kasten ist bei der öko-sozialen GLS Bank für den Bereich Digitale Kommunikation zuständig und kennt sich in den sozialen Medien gut aus. Auch er kennt das Problem der Fake News. So erzählt er, dass einmal Falschmeldungen über die Bank verbreitet wurden. Durch Beweise konnten sie widerlegt werden.

Auf die Frage, wie man die Leute, die Falschmeldungen teilen, darauf ansprechen kann, erklärt Helberg: „Man soll sie nicht von oben herab behandeln, sondern darauf hinweisen. Man kann sachlich diskutieren.“ Außerdem könne man die Fakten überprüfen. Kasten meint: „Jeder ist in der Pflicht, Fakten zu hinterfragen.“

:Maike Grabow

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