Krebsfrüherkennung
Der ewige Bau

Kommentar. Asbestverursachter Krebs kann nun früher erkannt werden. Auch die Ursachen der Krankheit sollen beseitigt werden.

Dass eine neue Methode zur Früherkennung von Krebs, der durch Asbest ausgelöst wurde, ausgerechnet an der RUB, einem der Asbest-Sammelstätten Nordrhein-Westfalens, entdeckt wurde, verwehrt sich nicht einer gewissen Ironie. Denn gerade die Mitarbeiter*innen in Forschung und Verwaltung sind von den Erkrankungen, die durch die Aussetzung von Schadstoffen wie Asbest und PBC (Polychlorierte Biphenyle) erzeugt werden, am meisten betroffen. Man könnte meinen, es ginge hier um Forscher*innen, die sich mit ihrer Forschung das eigene Überleben sichern wollen.

Tägliche Aussetzung

Doch obwohl die nun erforschte Früherkennung von Mesotheliom ein essentiell wichtiger Schritt für die Behandlung von Betroffenen ist, die bisher aufgrund fehlender Früherkennung nicht geheilt werden konnten, wirkt dies lediglich wie ein nachträgliches Pflaster. Denn gleichzeitig schreitet die Sanierung der Universität mit schleichendem Schritt voran (:bsz 1188), sodass die meisten von uns den komplett sanierten Campus beim derzeitigen Bautempo erst im hohen Senior*innenalter bestaunen können. Vorausgesetzt, das Erreichen davon wird nicht frühzeitig durch eine durch Asbest ausgelöste Krebserkrankung aufgehalten. Anstatt das Leben der rund 6.000 Beschäftigten, die mitunter Jahrzehnte und Tag für Tag in den Räumen der RUB verbringen und der etwa 43.000 Studierenden zur Priorität zu machen, werden stattdessen aufwändige Diskussionen um Denkmalschutz und den Erhalt des Gesamtbildes des riesigen Betonhafens geführt. Sicher, man kann Gefallen an dem kruden Bau finden, der uns den Großteil der Woche begleitet und dafür einstehen, dass dieser in all seiner charmanten Hässlichkeit erhalten bleibt. Doch schlussendlich gilt es, einzusehen: Eine Universität ist ein Nutzgebäude. Dies war sogar der Urgedanke der Ruhr-Universität. Ein Campus mit kurzen Wegen, der trotzdem eine hohe Zahl Studierender aufnehmen kann. Dieser Gedanke muss weitergetragen werden, anstatt den architekturhistorischen Wert dem lebensschädigenden Alltag überzuordnen.

:Stefan Moll
 

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