Kunstgeschichte-Prof Hoppe-Sailer: RUB ist „einzigartiges Beispiel der europäischen Architektur der Nachkriegszeit“
Der Erhalt des Betonmolochs
Foto: mar
Nicht nur im Großen „einzigartig“, sondern voller kleiner Details: Wer weiß, wo auf dem RUB-Campus dieses X-Men-Logo zu finden ist? Foto: mar
Nicht nur im Großen „einzigartig“, sondern voller kleiner Details: Wer weiß, wo auf dem RUB-Campus dieses X-Men-Logo zu finden ist?

Erst haben sie ein Monster erschaffen und jetzt wollen sie es hegen und pflegen: Seit dem 16. Oktober steht der Baukomplex der Ruhr-Universität unter Denkmalschutz. Bestrebungen, der Universität diesen Status zuzuerkennen, gibt es mindestens schon seit 2006. Nun stehen, nach Auskunft von Hans Hanke vom Landesverband Westfalen-Lippe (LWL), die Gesamtanlage inklusive der Dr.-Gerhard-Petschelt-Brücke (oder meistens einfach Unibrücke genannt) sowie dem Botanischen Garten unter Denkmalschutz.

„Diese Entscheidung war lange überfällig“, findet auch Richard Hoppe-Sailer, Professor und Leiter des Kunstgeschichtlichen Instituts (KGI) der RUB.

Kunsthistoriker Hoppe-Sailer formuliert es so, dass die RUB in ihrer „Geschlossenheit und gleichzeitigen hohen Ausdifferenzierung ein einzigartiges Beispiel der europäischen Architektur der Nachkriegszeit“ darstelle.

„Es geht einerseits um die Silhouette, den berühmten Blick von Süden, den Sie auf jeder Postkarte finden“, erklärt Hans Hanke. Andererseits „geht es auch um das Plastische“, also die charakteristischen Balkone.

Die Ruhr-Uni sei aber auch als Institution von Bedeutung. Man habe damals versucht, „ambitioniert einen demokratischen Lehrkörper zu schaffen“, so Hanke. Als erste neue Universität der Bundesrepublik sollte sie ein Prestigeobjekt werden.

„Da die Universität als ein Gesamtkomplex geplant und realisiert worden ist, stellt sich die Frage nach einer ästhetischen Rangordnung nicht“, sagt Hoppe-Sailer.

Denkmalschützer Hanke sieht das etwas anders. Beispielhaft führt er die Unibibliothek an. Die sei, anders als die anderen Gebäude, bei denen es um die äußere Erscheinung gehe, „innen und außen von besonderem denkmalpflegerischem Interesse“. Schließlich wäre die UB die erste Freihandbibliothek in Deutschland, also die erste, wo man nicht sein Buch an der Theke bestellen und abholen musste.

Bauliche Anpassungen an Studierendenzahlen sind nötig

Hoppe-Sailer ist sich aber auch bewusst, dass unsere Uni eine hochfrequent genutzte Anlage ist: „Die Architektur, die ursprünglich für 10.000 Studierende geplant war (heute sind es knapp 43.000, Anm. d. Red.), muss immer neue Anforderungen erfüllen. Das heißt, es kann nicht um eine Konservierung gehen, sondern man muss immer wieder Aktualisierungen vornehmen, die mit Rücksicht auf den Gesamteindruck realisiert werden müssen.“ Diese Rücksicht ließe man bei neuen bzw. kernsanierten Bauten wie der I-Reihe walten, sagt der Wissenschaftler, der selbst in den 70er-Jahren an der RUB studiert hat.

Architektur-Sammelband wird am 30. November vorgestellt

Am 30. November wird im Blue Square die Jubiläums-Veranstaltungsreihe „50 Jahre – 50 Vorträge“ mit einem Vortrag zur Architektur der RUB abgeschlossen. Ob die PlanerInnen der Reihe schon von den Denkmalplänen wussten?

Professor Richard Hoppe-Sailer, Professorin Cornelia Jöchner (beide vom KGI der RUB) und Dr. Frank Schmitz (Kunstgeschichtliches Seminar, Uni Hamburg) präsentieren bei der Gelegenheit den von ihnen herausgegebenen Sammelband „Ruhr-Universität Bochum – Architekturvision der Nachkriegsmoderne“.

:Marek Firlej

Lest dazu auch den Kommentar „Barockkirchen sind noch hässlicher“

Autor(in):