Luhmanns Nachlass
Der „Zettelkasten“ ist online
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Mit der Suchfunktion kann nach Schlagbegriffen gefragt werden: Hier das Beispiel „Liebe". Screenshot: sat
Mit der Suchfunktion kann nach Schlagbegriffen gefragt werden: Hier das Beispiel „Liebe".

Systemtheorie. Geisteswissenschaftler*innen kommen kaum durchs Studium, ohne mindestens einmal von ihm gehört zu haben: Niklas Luhmann und sein Zettelkasten. Teile sind nun online einsehbar.

Über 50 Jahre war das Zettelsystem für Studierende nicht zugänglich, doch nun ändert sich alles. Das Langzeitprojekt Niklas Luhmann – Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses ging am 8. April online – jedenfalls zum Teil. Die Erschließung des Nachlasses der etwa 90.000 handschriftlichen DIN A6 großen Zettel begann seit 2015 und wird in mehrere Bestandteile unterteilt. Luhmanns Wissenssammlung auf „Zetteln“, war seiner Zeit voraus und  er beschrieb es als kybernetisches System. „Wir haben im Nachlass etwa 3.800 Manuskriptbestandteile zu etwa 800 verschiedenen Publikationen, davon werden aber nicht alle gescannt, sondern nur die wissenschaftlich bedeutsamen“, erklärt Dipl.-Soziologe Johannes Schmidt, wissenschaftlicher Koordinator des von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste geförderten Langzeitprojekts und wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Soziologie an der Universität Bielefeld.

Neue Erkenntnisse?

Ob die Erschließung und die Digitalisierung neue Blickwinkel von Luhmann eröffnen, kann noch nicht abgeschätzt werden, da bisher etwa fünf Prozent zugänglich gemacht wurden. Allerdings eröffne der Nachlassbestand teilweise neue Perspektiven insbesondere auf das Frühwerk. „Natürlich habe ich bei der Durchsicht und der Erstellung der Inhaltsübersicht über den ersten Kasten manches Interessante gesehen – so zum Beispiel das starke Interesse an der Theorie Husserls, das frühe Interesse an Organisation (was aber wenig überrascht) und den Rollenbegriff“, fasst Schmidt zusammen. Die Ausarbeitung jedoch obliegt nicht exklusiv der Universität Bielefeld oder der Kooperationspartnerin der Universität zu Köln. „Vielmehr machen wir genau für solche Forschungsinteressen Dritter den Kasten mit unserer Edition zugänglich“, so der Projektkoordinator.                    

:Sarah Tsah

Bild vom Zettelkasten: Universität Bielefeld

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