Forschungsprojekt am Historischen Institut
Daten, Geheimnisse und die offene Kommunikation
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Früher in Aktenschränken, jetzt elektronisch: Neue Technologien veränderten die Datensammlung von Geheimdiensten. Bild: stem
Früher in Aktenschränken, jetzt elektronisch: Neue Technologien veränderten die Datensammlung von Geheimdiensten.

Forschung. Ein neues Projekt am Historischen Institut der Ruhr-Uni beschäftigt sich mit dem Wandel nachrichtendienstlicher Datensammlung und deren Wirkung auf die Gesellschaft.

Seit einigen Jahren ist der Datenschutz ein heiß diskutiertes Feld. Angefacht durch den ersten Beschluss einer Vorratsdatenspeicherung im Jahr 2006 und dessen verfassungsgerichtliche Einschränkungen, erlangte das Thema spätestens mit den Enthüllungen von Edward Snowden gesellschaftliche Aufmerksamkeit. Ein neues Projekt mit dem Titel „Sicherheit, Demokratie und Transparenz. Nadis, Hydra und die Anfänge der elektronischen Datenverbundsysteme in der Bundesrepublik und den USA“ von Bochumer Historikern will nun die Entwicklung der nachrichtendienstlichen Datensammlung während des Kalten Krieges erforschen. Dabei sind sich die Forscher der fortwährenden Relevanz der Thematik bewusst. So verstehe sich „gerade dieses zeithistorische Projekt als ein Projekt, das dazu beitragen will, gegenwärtige Entwicklungen besser zu verstehen“ und „einen Beitrag zur Vorgeschichte von Big Data und den Möglichkeiten, den Gefahren und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen“ zu leisten, erklärt Constantin Goschler, Professor für Zeitgeschichte. Zusammen mit Michael Wala, Professor für amerikanische Geschichte, startete er das Projekt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird.

 

Technologie und Gesellschaft

Seit den 50ern änderten sich die Datensammlungsmethoden der Geheimdienste enorm. Von Kartei- über Lochkarten zur elektronischen Datenverarbeitung bis hin zur Verknüpfung einzelner Datenbanken. „Das war etwas, das seit den 70er-Jahren bei den Nachrichtendiensten als unheimlich aufregende Chance galt. Dass man nun in der Lage sei, Datenbestände, die an verschiedenen Orten isoliert liegen, miteinander zu verbinden,“ erklärt Goschler. Zentrales Interesse der Historiker ist es, diesen Technologiewandel im Zusammenhang mit dem Wandel des öffentlichen Diskurses rund um Überwachung zu untersuchen. Die Forscher sprechen von einem Prozess der „gegenseitigen Transparenzierung“. Eine der Leitfragen ist daher: „Wie wird dieser staatliche Anspruch auf Transparenz der Gesellschaft umgekehrt, also welche Rolle spielen jetzt Versuche, diese Datensammlung zu begrenzen und andererseits die Nachrichtendienste selber durchsichtig zu machen?“, so Goschler. 

 

Hürden bei der Forschung

Ganz einfach ist das Erforschen dieser Dynamiken für HistorikerInnen nicht. Schließlich liegt es in der Natur von Nachrichtendiensten, dass viele ihrer Aktivitäten im Verborgenen bleiben. Doch genau in diesem Bereich hat der Diskurswandel der vergangenen Jahre bereits konkrete Ergebnisse erzielt, erklärt Goschler: „Interessanterweise ist es so, dass die Transparenzdebatte, die seit einigen Jahren sehr intensiv geführt wird, auch dazu führt, dass Nachrichtendienste verstärkt unter Druck stehen, ihre Materialien nach einiger Zeit öffentlich zugänglich zu machen.“ So gibt beispielsweise der Verfassungsschutz seine Materialien, bis auf begründete Ausnahmefälle, nach 30 Jahren an das Bundesarchiv ab. Auch in den USA ist der Zugang zu geheimdienstlichen Dokumenten durch den „Freedom of Information Act“ möglich. Somit sei die Forschung in diesem Bereich schwierig, aber dennoch möglich.

:Stefan Moll

 
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