Frauenstadtrundgang quer durch Bochum und die Geschichte
Das weibliche Gesicht der Stadt
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Interessierte Gruppe: Vor dem Kunstmuseum hören die Teilnehmerinnen von der Künstlerin und Goldschmiedin Elisabeth Treskow.   Bild: lor
Interessierte Gruppe: Vor dem Kunstmuseum hören die Teilnehmerinnen von der Künstlerin und Goldschmiedin Elisabeth Treskow.

Rundgang. Geschichte wird geschrieben von weißen Hetero-Männern? Der Frauenstadtrundgang durch die Bochumer Innenstadt, initiiert von dem feministischen Archiv ausZeiten, rückt Frauen der Bochumer Stadtgeschichte in den Blickpunkt.

KeineR kennt ihren Namen, doch sie wurde eine Ikone im Zusammenhang des Bergarbeiterstreiks 1912: Die Satirezeitung „Der Wahre Jakob“ veröffentlichte als Kommentar zu den Protesten die Zeichnung einer Frau mit Neugeborenem im Stile eines Marienbildes. Die darauf dargestellte Bochumerin hatte, wie viele Frauen, ihren Mann im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen unterstützt. Für die Beleidigung eines Polizeibeamten ist sie mit ihrem sechsmonatigen Kind inhaftiert worden. Die Zeichnung wurde als Symbol des stillen Protests in den Bergbauhaushalten an die Wand gehangen. 

Die Bochumer Madonna ist eine der Frauen in der Stadtgeschichte, die das feministische Archiv ausZeiten zusammen mit der Volkshochschule Bochum in einem etwa zweistündigen Frauenstadtrundgang quer durch die Innenstadt vorstellten. An der Jubiläumsausgabe vergangenen Sonntag nahmen etwa ein Dutzend Interessierte unterschiedlichen Alters teil – trotz klirrender Temperaturen.  

Auch noch Geburtstag

Die von Mitarbeiterinnen von ausZeiten konzipierte Route hatte 2008 mit 50 Teilnehmenden ihre Premiere. „Ihr seid also die Jubiläumsgruppe“, begrüßt Leiterin und Archivmitarbeiterin Linda Unger die Anwesenden. Unger hatte damals im Rahmen ihres Praktikums begonnen, den Frauenrundgang auf der Basis von Vorarbeiten des Archivs zu erstellen: Der Wunsch sei schon lange da gewesen, so Unger. Nach zehn Jahren gebe es eine ungebrochene Nachfrage: „Was mich freut: Es gibt noch viele, die den Rundgang noch nicht kennen. Wir können uns über einen Mangel an Gegenliebe nicht beschweren.“

Die Route führt durch die Innenstadt Richtung Norden und Bergbaumuseum. Auf dem Weg hält die Gruppe an ausgewählten Stationen, die direkt oder zumindest indirekt mit den vorgestellten Frauen zusammenhängen. So deutet das Bochumer Kunstmuseum auf die Goldschmiedin Elisabeth Treskow hin. Diese hat nicht nur viele Preise für ihre Arbeit mit dem wertvollen Material erhalten, sondern war unter anderem an den Restaurierungsarbeiten des Dreikönigsschreins im Kölner Dom beteiligt. Ihr wohl bekanntestes Werk ist aber die Meisterschale des DFB. 

Politisch involviert

Mit Lore Agnes und Ottilie Schönewald prägten Frauen in der Weimarer Republik wie auch in der Nachkriegszeit die Lokal- und Bundespolitik. Während Agnes sich vor allem in der Frauen- und ArbeiterInnen-Bewegung engagierte und die SPD nach dem Zweiten Weltkrieg mitaufbaute, konzentrierte sich Schönewald zunächst auf die Frauen im jüdischen Gemeindekontext, bevor sie ihr Engagement auf Frauen und soziale Gerechtigkeit ausweitete. Beide Frauen gehörten zu den ersten Politikerinnen, die im Bochumer Stadtparlament saßen. 

„In unserem Rundgang sind viele Stehauf-Mädchen, die sich nicht unterkriegen ließen“, schließt Unger die zweistündige Tour – selbes gilt wohl auch für die Teilnehmenden, die sich nicht von Wind und Wetter unterkriegen ließen. 

Der nächste Frauenstadtrundgang findet am Sonntag, den 10. Juni um 14 Uhr statt – Frauen und Männer sind dann gleichermaßen willkommen. Die Teilnahme kostet 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Anmeldungen sind über die VHS Bochum möglich, Spontane können jedoch ebenso dazu kommen.                     

              :Andrea Lorenz