Der Eklat um den Deutschen Fernsehpreis bringt einen Stein ins Rollen — der wieder stoppt?
Das Ende des Anfangs?
Bild: mag
Alles für den Eimer? Die Frage stellen sich deutsche DrehbuchautorInnen. Bild: mag
Alles für den Eimer? Die Frage stellen sich deutsche DrehbuchautorInnen.

Kommentar. Beim Deutschen Fernsehpreis wurden die AutorInnen der nominierten Produktionen nicht eingeladen. Und doch endet der Protest.

Die Debatte ins Rollen gebracht hat Drehbuchautorin Kristin Derfler. Sie hatte keine Einladung erhalten, obwohl der Zweiteiler „Brüder“, zu dem sie die Idee und das Drehbuch lieferte, eine Nominierung in der Kategorie „Mehrteiler“ hatte. Auch der Verband der Deutschen Drehbuchautoren (VDD) reagierte und kritisierte die Einladungspolitik, die Arbeitsbedingungen der AutorInnen sowie die fehlende Anerkennung. Denn was wäre ein Film ohne ein gutes Drehbuch? In den sozialen Medien entbrannte unter dem Hashtag #KeinBuchKeinFilm die Wut über die unfassbare Gleichgültigkeit in der Filmbranche. Regisseur Leander Haußmann forderte auf seiner Facebook-Seite: „Boykottiert den Fernsehpreis!“ Eine Aussage, die viel Anklang fand. Die VeranstalterInnen entschuldigten sich, die AutorInnen wurden eingeladen — Ende gut, alles gut?

Ein laues Lüftchen

Vergangenen Freitag wurde der Deutsche Fernsehpreis verliehen. Man versprach sich erboste Reden. Doch das Ergebnis war enttäuschend. Zum einen hielt es die Fernsehelite gar nicht für nötig, den Fernsehpreis im Fernsehen auszustrahlen. Dann sieht man sich den Veranstaltungsort an (kein Wunder, dass die VeranstalterInnen im Kölner Palladium Platzmangel haben) und den ausbleibenden Aufstand. Der Abend plätscherte vor sich hin, es wurden Preise verliehen, gelächelt und sich bedankt. Auch wenn Sebastian Andrae, Drehbuchautor und im Vorstand des VDD, in seiner Rede die Bedingungen der AutorInnen kritisierte, bleibt das Ergebnis ernüchternd. Man hatte Aktionen à la Reich-Ranicki erwartet, der 2008 mit den Worten „Ich nehme diesen Preis nicht an“ den Ehrenpreis zurückwies (Die Veranstaltung wäre „Blödsinn“). Bleibt nur zu hoffen, dass die Diskussion nicht abebbt. Es wird Zeit für entscheidende Veränderungen in der Film- und Fernsehlandschaft. Bessere Arbeitsbedingungen nicht nur für DrehbuchautorInnen. Es sollte deutlich werden, dass alle Beteiligten Anteil an einenm guten Film haben. Ein Anfang wäre auch, den Fernsehpreis zu öffnen und im Fernsehen zu übertragen. So zeigt sich bisher nur die Überheblichkeit privilegierter Leute, die sich selbst feiern. 

           :Maike Grabiow

Autor(in):