Edgy sein sieht anders aus
Cool … cool …
Bild: kiki
Bild: kiki

Kommentar. Die Uni wird mal wieder mit Postern zugekleistert. Ein Plakat nervt mich besonders.

„Die Happy, Love Suicide“, stand auf einem der tausenden Plakate an den Wänden der Uni. Dass die Band Die Happy nach Bochum kommt, könnte einem jetzt auch egal sein. Diese kam auf die glorreiche Idee ihre Tour „Die Happy. Love Suicide“ zu nennen. Ganz schön unangebracht. Zum einen besteht die Uni nicht aus Siebtklässler*innen, die alle sehr … sehr … cool sind und zum anderen ist es nicht nötig, Suizid ein Image zu geben, das eindeutig der verzweifelte Versuch ist, edgy und hip mit den Kidz auf einer Wellenlänge zu sein. Es ist dumm und unüberlegt, so eine Scheiße in einem Post-Emo Zeitalter an die Wände von Universitäten zu hängen. Suizid ist für viele ein langanhaltendes Thema, das wenig mit „Die Happy“ zu tun hat. „Die Happy“ mein Arsch. Was kommt als nächstes für ein cleverer Werbeslogan? „Geh Steil, Sieg Heil“? Das wäre zumindest genauso unangebracht wie diese Plakataktion. Was kann man eigentlich erwarten, wenn man so dämliche Sprüche an die Wände klebt. Dass die Uni jetzt total Bock auf dieses Konzert hat, weil der Name so cool klingt. „Da sind bestimmt die ganzen gequälten Seelen, die so sexy sind“. Ein Schlaraffenland für Helfersyndrom-gesteuerte Pappnasen.

Es gibt einen schmalen Pfad zwischen witzig und dumm. Meistens erkennt man das Dumme, wenn man den Witz suchen muss. Na? Wo ist er denn? Ich habe ihn noch nicht gefunden, aber vielleicht finde ich ihn ja noch. Bis dahin verleihe ich den Vollidiot der Woche Award an wer auch immer auf diese Idee gekommen ist, so ein bestusstes Plakat zu entwerfen. Herzlichen Glückwunsch Du hast eine undichte Regenjacke gewonnen. Genauso hilfreich wie Dein Plakat.

Dein Plakat ist das Problem, wenn alles ein Markt ist. Wenn alles gerechtfertigt ist, solange es Profit macht. Der Kapitalismus hat keine Zeit, sich Gedanken über sein Produkt zu machen. Immer nur Geld, Geld, Geld. Ich kann nur hoffen, dass Deine Kassen leer geblieben sind und Suizid doch nicht so ein guter Marketing-Gag ist, wie zuvor angenommen.

:Gerit Höller