Studium und Arbeit
Chancen für Chancenreiche
Symbolbild
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Kommentar. Der Report der DGB zeigt nicht nur, dass Benachteiligte größere Hürden vor sich haben: Sie können diese auch schlechter überwinden.   

Dass die Vereinbarkeit von Studium und Arbeit ein schwieriges Unterfangen ist, weiß jede*r Studierende, die*der einen oder mehrere Jobs hat. Nicht selten leidet darunter das Studium. Wie aus dem Sonderbericht des DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) an die Landesregierung zu lesen ist: Mehr Studierende im Ruhrgebiet als in anderen Regionen des Landes brauchen den Job, um den Lebensunterhalt und die Semesterbeiträge zu zahlen. Unter anderem, da der Anteil der Studierenden mit Migrationshintergrund und aus nicht-Akademiker*innen-Familien höher ist.

Der Report zeigt: Das Jobben ist für Studierende aus wohlhabenderen Familien eine Weiterbildungsmaßnahme. Durch ihre Arbeit erhalten sie häufiger Erfahrungen, die für sie studienrelevant sind. Sie können ihre Arbeitszeit zu einem höheren Anteil flexibel einteilen und Wissen aus dem Studium praktisch anwenden. Besonders stark sind die Unterschiede beim Wunsch nach einer Arbeitszeitreduktion: Während rund 49 Prozent der Studierenden aus einer niedrigen Bildungsherkunft ihre Arbeitszeiten reduzieren möchten, wollen dies nur 28 Prozent aus einer hohen Bildungsherkunft.

Das bedeutet nicht, dass Studierende aus bildungsfernen Schichten faul sind oder keinen Beitrag zur Gesellschaft leisten wollen. Es zeigt vielmehr, dass Studierende aus gutverdienenden Elternhäusern es sich leisten können, ihren Nebenjob nach ihren Vorlieben auszuwählen. Sie können ihre Privilegien nutzen, um diese auszubauen und brüsten sich dann noch damit, wie selbstständig und tüchtig sie seien. Denn sie sind nicht darauf angewiesen, den Erhalt ihres Lebensunterhalts vor das Studium zu stellen. Der Effekt: Bestehende Ungleichgewichte werden verstärkt. Während Menschen aus benachteiligten Schichten keinen Job haben, der sie beruflich weiterbringt, qualifizieren sich diejenigen aus den reicheren Schichten immer weiter. Auf dem Lebenslauf sieht ein studentisches Start-Up bemerkenswerter aus als das Kellnern in der Eckkneipe.                     

:Stefan Moll

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