Die WM in Russland aus slawistischer Perspektive
Brot und Spiele
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Aus seiner Sicht ist die WM in Russland bereits jetzt ein Erfolg für die Politik: Kultur- und Literaturwissenschaftler Prof. Christoph Garstka. Bild: lor
Aus seiner Sicht ist die WM in Russland bereits jetzt ein Erfolg für die Politik: Kultur- und Literaturwissenschaftler Prof. Christoph Garstka.

Gesellschaft. Eine sportliche Großveranstaltung nach der anderen: Steckt dahinter ein politisches Kalkül? 

 

Die Weltmeisterschaft beginnt in Russland und während in den kommenden Wochen gefiebert wird, wer den Titel erringt, steht ein Profiteur fest: Für Christoph Garstka, Professor am Lehrstuhl für Russische Kultur sowie Literatur- und Kulturwissenschaftler, sei das Präsident Wladimir Putin.

„Sport ist eine Möglichkeit für das Regime Putin, sich als normale russische Nation darzustellen“, erklärt Prof. Garstka. Dies funktioniere in zwei Richtungen: sowohl nach außen auf internationaler Ebene und nach innen. So zeige Russland dem Westen, dass es nicht nur in der Lage sei, solch eine Veranstaltung zu managen. Zudem unterstreicht Moskau, dass es Teil der internationalen Gemeinschaft sei und man sich den damit verbundenen Regeln anpasse – vor allem im Zusammenhang mit den anhaltenden Dopingvorwürfen ein wichtiger Aspekt. Auch den BürgerInnen wird das Bild eines fähigen, nicht unterdrückenden, starken Russlands vermittelt: „Mit diesen sportlichen Großveranstaltungen lässt sich viel Propaganda für ein autoritäres Regime machen.“ Es sei ganz typisch, dass autoritär geführte Staaten zu Mitteln wie die Ausrichtung eines internationalen Sportevents griffen. Dies sei bewusst vom Regime, „dem Zentrum, also Putin“, forciert. In Russland treffe dieses Vorgehen auf eine große, gesellschaftliche Begeisterung für Fußball, auch wenn der Liga-Betrieb negativ bewertet werde. 

Juvenal lässt grüßen

Die Putin’sche „Brot und Spiele“-Vorgehensweise bewährt sich: Es gebe innerhalb der russischen Gesellschaft nur vereinzelt Kritik – vor allem aus St. Petersburg und Moskau. Die Provinz stehe hinter dieser Politik, gerade erst wurde Putin für die nächsten sechs Jahre als Präsident bestätigt. Die WM ist der „Supporter“, welcher regime- und systemstützend wirke, resümiert Prof. Garstka. Schwierig könne es für Putin nur werden, wenn wirtschaftliche Probleme auftreten oder der Rubel weiter fällt. 

So wie es aktuell aussieht, ist die WM allerdings bereits jetzt ein russischer Erfolg – ohne, dass ein Ball rollen musste. 

:Andrea Lorenz