Für South Park- und Musical-Fans
Broadway Stop in Köln – The Book of Mormon
Bild: fufu
Catch the Spirit: Mütze, Programmheft und eine Visitenkarte, die mir ein echter Mormone beim rausgehen eigens in die Hand drückte. Bild: fufu
Catch the Spirit: Mütze, Programmheft und eine Visitenkarte, die mir ein echter Mormone beim rausgehen eigens in die Hand drückte.

Kultur. Zehn Tage lang machte das Musical von den South Park-Schöpfern Halt im Musical Dome Köln. Als nächstes geht es nach Zürich.

Manch eine*r freut sich insgeheim seit über acht Jahren auf dieses Werk von Trey Parker und Matt Stone, die gemeinsam mit Robert Lopez ein Musical über Mormonen verfasst haben. Spätestens seit 2011 in der South Park-Folge „Broadway Bros“ angekündigt wurde, dass es bald tatsächlich am Broadway läuft, dachten sich hartgesottene Fans weltweit „irgendwann...“. Die Erwartungen an das Musical wurden dann nochmal durch das Abräumen von neun Tony Awards (quasi dem Musical-Oscar) enorm hochgeschraubt. Aber nach England rüber schippern und es in London gucken? Schwierig und teuer! Doch vom 10. bis zum 17. November war es soweit und das Musical spielte zum ersten Mal in Deutschland. Vom Broadway nach Köln. Aber mit dem britischen Cast! Ein Stück Religionssatire, das den ganzen Saal für knappe 2 Stunden und 30 Minuten durchlachen ließ. Böse komisch und im englischen Original.
Dass sie Catchy-Songs schreiben, haben die beiden South Park-Schöpfer in vielen Folgen, dem Film „Team America“ und in älteren Projekten bewiesen. Auch hier ist der lyrische Witz gemeinsam mit Robert „Bobby“ Lopez auf den Punkt gebracht. Bobby Lopez hatte zuvor bereits das Musical Avenue Q miterschaffen, in dem Sesamstraßenartige-Puppen Seite an Seite mit menschlichen Darsteller*innen auf der Bühne stehen. In Interviews betonen die Drei gerne, dass sie eine gemeinsame Liebe für Mormonen, Puppen und Musicals teilen. Es entsprang eine Erfolgskombination und ein Musical, das das Genre für sich gewinnen konnte, mit Witzen über Aids, Mormonen, Warlords und *Spoiler ab hier* Frösche ficken.

„Hello. My name is Elder Price. I would like to share with you the most amazing book.“ Die Eröffnungsnummer als Türgespräch, das manche von uns kennen: Die Mormonen stellen sich vor, nachdem in einer kurzen Rückblende die prähistorische Geschichte der Mormonen erläutert wurde. Für die Mormonen geht es anschließend pärchenweise auf verschiedene Missionarsreisen und für zwei ganz besondere Mormonen geht es nach Uganda, wo sie neue Mormonen erschließen sollen. Ein ungleiches Paar aus einem Überflieger und einem notorisch-kreativen, tollpatschigen Lügner. Uganda stellt sich für sie schnell anders heraus, als ihnen in „Der König der Löwen“ versprochen wurde, dennoch sind sie guter Dinge, Großes in Afrika zu erreichen, obwohl sie früh von den Leuten im Dorf über die dortige Mentalität aufgeklärt werden. Ein Leben voller Leid lässt sie anders mit dem Glauben umgehen, als die Mormonen es gewohnt sind. Während der Überflieger auf halbem Wege kalte Füße bekommt, hilft der Tollpatsch mit neuen, kreativen Auslegungen der mormonischen Religion (oder auch „Not“-Lügen) den Dorfbewohner*innen neue Hoffnung zu schenken. All das passt dem dortigen Warlord „Buttfuckingnacked“ natürlich gar nicht. Nach erfolgreicher Taufe von mehreren Dorfbewohner*innen lässt sich selbst der Präsident der Mormonenmission, der die beiden Hauptprotagonisten auf Reise schickte, blicken. In einem Theaterstück für den Mormonen-Präsidenten präsentieren die frisch angeworbenen, afrikanischen-Mormonen ihre zuvor vom Tollpatsch beigebrachte Geschichte der Mormonen. Inklusive Boba Fett, Hobbits, Durchfall und Anti-Aids-Fröschen. Ein Spiel in Spiel Comedy-Höhepunkt, der sich über eine gesamte musikalische Nummer entlädt. Doch am Ende finden alle gemeinsam einen Glauben, der ihnen hilft: Wir alle können Koexistieren, wenn wir keine Arschlöcher sind. Egal, woran wir glauben.

The Book of Mormon ist eine äußerst gelungene Religions-, Musical- und Sozialsatire, die durch großartige Choreographien, abwechslungsreiche Musicalnummern, clevere Bühnenbildeffekte und schier unendlichen Witz begeistert. Man hatte das Gefühl, dass man hier wirklich Zeuge eines Werks der wichtigsten Satiriker unserer Zeit ist. Nicht umsonst betitelte die New York Times es auch als „The best musical of this century“.

:Christian Feras Kaddoura