Zeitzeug_Festival: Theater, Musik und Performances an fünf Bochumer Spielorten
Bereit, spontan zu sein?
Foto: Sven Neidig
Verwirrung geglückt: Ein Freiwilliger ist es, der Ruby Behrmann einen Tag begleiten wird ohne zu wissen, was ihm bevorsteht. Foto: Sven Neidig
Verwirrung geglückt: Ein Freiwilliger ist es, der Ruby Behrmann einen Tag begleiten wird ohne zu wissen, was ihm bevorsteht.

28 Veranstaltungen, fünf Spielorte, vier Tage, eine Stadt: Zum 14. Mal machte das „Zeitzeug_Festival“ Bochum zum Hotspot von allerlei Theater, Musik und (hin und wieder) Schrägem. Unter dem Motto: „Wer sagt, dass_?“ hinterfragten und diskutierten die KünstlerInnen verschiedene Themen wie das Menschsein und das Leben.

Gespannt betrachteten die ZuschauerInnen die karge Bühne in den Rottstr5-Kunsthallen: Nur eine Leinwand war installiert, in einem Scheinwerferspot lag eine rosafarbene Sporttasche. Der Titel von Künstlerin Ruby Behrmanns Performance lautete „24 hours/#24hours“. Als diese dann die Bühne betrat und zu erklären begann, wurde klar, dass „24 hours“ wörtlich zu verstehen war. EinE zufällig aus dem Publikum gewählteR FreiwilligeR und sie würden einen gesamten Tag zusammen verbringen. Die einzigen Voraussetzungen: Ein internetfähiges Smartphone und der Ausweis sollten vorhanden sein – und schon fuhren Behrmann und der Freiwillige davon. Es blieben: Ein verdattertes Publikum und ein Selfie, gerade eben noch geschossen. 

Plattform für ArtistInnen

Das „Zeitzeug_Festival“ bot nun schon zum 14. Mal verschiedensten KünstlerInnen die Möglichkeit, ihre Projekte zu zeigen. An fünf Spielorten, darunter auch die RUB-eigene MZ-Bühne, besuchten die FestivalgängerInnen Theaterstücke, Konzerte und Installationen oder durchstreiften im Rahmen eines performativen Spaziergangs Bochum. Das sechsköpfige Organisationsteam, hauptsächlich aus Studis bestehend, erhielt im Laufe des Wochenendes viel Lob von seinen GästInnen. So erzählte Philipp Hohmann, einer der OrganisatorInnen, wie gut besucht alle Programmpunkte gewesen waren. Sechs Monate hatte man für die Planung und Vorbereitung gebraucht. Neben der finanziellen Unterstützung durch unter anderem den AStA, die Stadt Bochum und die Gesellschaft der Freunde, lobte Hohmann die vielen freiwilligen Helfenden. „Das Festival soll den KünstlerInnen eine Plattform bieten, mal woanders ihre Sachen zu zeigen“, erklärte er weiter. „Hier kommen sie nicht nur mit anderen, sondern auch mit den BesucherInnen ins Gespräch.“

Bern in Bochum

Während die Zuschauenden noch verwirrt von Ruby Behrmanns Perfomance waren, wurde bereits die Bühne für den nächsten Act vorbereitet: Eine Parkbank war alles, was das „Sächsische Schweiz kollektiv“ braucht, um den gesamten Raum nach Bern zu entführen, wo Saskia und Ivo ein Gespräch über Menschsein, Rehe, den Baum des Lebens und noch mehr Rehe führten und mit ihrer absurd-komischen Unterhaltung die Zuschauenden zum Lachen brachten und nachdenklich stimmten.

Doch zurück zu Ruby: Nach Punkt 24 Stunden abenteuerlicher Abwesenheit wurde enthüllt: Beide sind in Belgien gewesen, haben ein Konzert besucht und bei einem Tattoostudio vorbeigeschaut. Die Performance zeigt, dass Ruby mit ihrer These Recht hatte: 24 Stunden reichen, um Freundschaften zu schließen und außergewöhnlich intime Momente zu erleben. 

:Andrea Lorenz