Die Schöne und das Biest im Prinz-Regent-Theater
Bühne als magische Märchenbeschwörung
Foto: Sandra Schuck
Liebt sie nun die schwarze Bestie oder nicht? Der rosa Gedankenfänger gibt dem Publikum Hinweise. Foto: Sandra Schuck
Liebt sie nun die schwarze Bestie oder nicht? Der rosa Gedankenfänger gibt dem Publikum Hinweise.

Die Verlegenheit wird bei der Begehrten nicht geringer. Selbst dann, wenn das begehrende Biest (Bernhard Glose) zum dritten Mal um die Hand der hübschen Belle (Yvonne Forster) anhält. Ungestüm, bisweilen albern ist diese Balz in Lucy Kirkwoods und Katie Mitchells witziger Theateradaption des französischen Volksmärchens.

Die bekannte Geschichte über den verfluchten Prinzen, der zu Hässlichkeit verdammt ist und hofft, diesen Fluch zu brechen, nachdem die Kaufmannstochter Belle in seine Fänge geraten ist, wurde bereits in verschiedensten Versionen umgesetzt.

Regisseurin Romy Schmidt macht aus dem Ursprungsmaterial im Prinz-Regent-Theater ein knallbuntes wie zuckersüßes Pop-Märchen: farbenfrohe Lichteffekte, ein rosa Gedankenfänger, ein Riesen-Croissant (insgesamt ein fast zauberhaftes Eigenleben der Requisiten auf der Bühne) oder ein Hase, der auf der Bühne „I like to move it“ performt.

Kreischende Romantik und sanfter Grusel

Dass Pop und Märchen in dieser Inszenierung zuweilen verschmelzen, dafür sorgt auch die Live-Musik von Linda Bocholt, die von Akkordeon bis Schlagzeug alles im Repertoire zu haben scheint. So wird auch der erste Auftritt der schwarzen Bestie von knarrenden Gitarrenriffs begleitet – „Iron Man“ von Black Sabbath. Kreischende Romantik trifft sanften Grusel. Eine Atmosphäre, die an beste Tim- Burton-Filme erinnert. 

Auch den beiden Folkwang-SchauspielerInnen Yvonne Forster und Bernhard Glose ist es zu verdanken, dass die 120-minütige Inszenierung trotz mancher Längen überzeugt. Die beiden HauptdarstellerInnen geben auch das durch den Abend moderierende Zauber-Duo: Mister Pink und seine Assistentin Cécile. Als Pink verkündet, dass das Stück von der Theaterleitung abgesetzt wird, weil Märchen out seien, packt er die – ebenso altmodische – Blockflöte aus und spielt Märchenlieder. Auf der Bühne wird laut mitgesungen – natürlich von Klein und Groß. Die Bühne als magische Märchenbeschwörung. Dem Publikum gefällt es. Nicht umsonst landete die Adaption bei der Nachtkritik-Online-Abstimmung auf dem ersten Platz. Noch vor gesellschaftskritischen Spielzeit-Sensationen wie Kay Voges „Die Borderline-Prozession.“

:Benjamin Trilling