Viele Studierende entschließen sich für Auslandsaufenthalte, wir fragen: Wie und Warum?
Auf, auf und davon!
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Ich packe meinen Koffer … In Polen gibt es keine Dosenravioli, in Sibirien ist es kalt, in Australien zu heiß. Foto: kac
Ich packe meinen Koffer … In Polen gibt es keine Dosenravioli, in Sibirien ist es kalt, in Australien zu heiß.

Die meisten von uns verbringen die vorlesungsfreie Zeit damit, Hausarbeiten zu schreiben, Praktika zu absolvieren oder die Freizeit zu genießen. Doch für viele unserer KommilitonInnen heißt es Koffer packen, impfen lassen, Reisepass, Flugticket und Visum nicht vergessen. Die Anzahl der Auslandsaufenthalte ist so hoch wie noch nie zuvor und alle sieben Kontinente sind vor Saisonstudierenden nicht sicher – da stellt sich die Frage nach den Gründen der Beliebtheit von Auslandsförderungsmitteln. Die :bsz befragte Studierende aus aller Welt, wo sie schon waren, welche Motivation, Schwierigkeiten und Vorbereitungen auf sie zukamen.

Viele Fakultäten erwarten von ihren Studierenden, dass sie mindestens ein Semester im Ausland verbringen. Der Master of Education verlangt bei der Fremdsprachenausbildung für den Abschluss mindestens ein vierwöchiges Praktikum in einem Land mit der Sprache, die man studiert. Viele schreckt diese Anforderung ab, denn sie befürchten, das nicht finanzieren zu können. Auch Yvonne, ehemalige Spanischstudentin, machte diese Erfahrung: „Letztendlich wurde ich von meinen Fach dazu gezwungen; mir blieb eigentlich gar keine andere Wahl.“ Yvonne war für ein Jahr in Andalusien, denn ein Aufenthalt in Südamerika wäre nach ihren Angaben finanziell kaum unterstützt worden.

Gewusst wo: Es gibt viel Unterstützung

Dank der unterschiedlichsten Förderungsmittel kann sich so gut wie jedeR Studierende so eine Erfahrung leisten. Allein innerhalb Europas können StudentInnen mithilfe des Erasmus-Programms bequem für ein Jahr eine ausländische Universität besuchen. Hierbei handelt es sich um ein Programm der Europäischen Union, welches vor 27 Jahren entstand und nach dem niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam benannt wurde. Das Budget beträgt jährlich etwa 450 Millionen Euro, welches aus dem EU-Haushalt kommt, der durch die Beiträge der Mitgliedsländer finanziert wird. Am Erasmus-Programm beteiligen sich 28 Mitgliedsstaaten der EU und fünf weitere europäische Länder, nämlich Norwegen, Island, Schweiz, Liechtenstein und die Türkei. Die Gelder werden anteilig nach den jeweiligen nationalen Studierendenzahlen über die nationalen Agenturen den teilnehmenden Hochschulen auf deren Anträge hin zur Verfügung gestellt. Dabei kann jede Hochschule selbst entscheiden, wie sie mit den Geldern umgeht.

Die RUB möchte möglichst vielen Studierenden die Chance geben, einen Erasmus-Aufenthalt zu machen. Daher fällt die finanzielle Unterstützung meist kleiner aus als bei anderen Unis, die dann lieber weniger TeilnehmerInnen aufnehmen und dafür eine höhere Stütze bieten. Seit der Gründung des Programms haben mehr als zwei Millionen Erasmus-Studierende einen europäischen Auslandsaufenthalt absolviert. Für die Programmmittel in Deutschland ist der DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) zuständig. Der DAAD wurde 1925 dank einer privaten studentischen Initiative in Heidelberg gegründet und ist heute eine Gemeinschaftseinrichtung von deutschen Hochschulen für internationale Beziehungen. Nach eigenen Angaben ist der DAAD die größte akademische Förderungsorganisation weltweit und unterstützt nicht nur Auslandsaufenthalte von AkademikerInnen, sondern fördert auch die Germanistik im Ausland und unterstützt den Aufbau von Hochschulen in Entwicklungsländern.

Die ganze Welt leidet am Reisefieber

Warum sich Studierende dazu entscheiden, einen Auslandsaufenthalt zu absolvieren, wurde von fast allen Befragten gleich beantwortet: „So ein Auslandssemester/-praktikum/-aufenthalt macht sich gut im Lebenslauf.“ Diese Einstellung wurde vielen schon während der Schulzeit nahegebracht, doch damals war es für einige nicht realisierbar: „In der Schule sind damals ab der Oberstufe schon einige Mitschüler für ein halbes oder ganzes Jahr ins Ausland gegangen – ich war neidisch, denn meine Familie konnte es sich nicht leisten“, erinnert sich Felicitas zurück, während sie in den Vorbereitungen für ihr Auslandspraktikum steckt, und fügt hinzu, dass sie als Geisteswissenschaftlerin oft den Praxisbezug und die beruflichen Einblicke im Studium vermisst. Jetzt hat sie einen Zwischenmieter für die Dauer ihres Aufenthalts gefunden und den Papierkram erledigt. Andere Befragte antworteten, es sei die Neugier, fremde Kulturen kennenzulernen, die sie reizt. So entschied sich der Linguistikstudent Darius, ein freies Soziales Jahr im Rahmen des Jugendfreiwilligendienstes „kulturweit“ im peruanischen Lima zu verbringen, um am dortigen Goethe Institut Jugendlichen Deutsch beizubringen. Der gebürtige Aserbaidschaner Nadim lebt und studiert in Schweden und ist der Meinung, dass jedeR reisen sollte, um seinen/ihren Horizont zu erweitern; darum ist er jetzt für ein Jahr in Deutschland.

Das Lied von Eis und Feuer

Der Slawistik-Student Alex war in einer Sprachschule in Sibirien: „Ich wollte mir ein eigenes Bild von kulturellen Konvergenzen und Divergenzen zwischen dem asiatischen und europäischen Teil Russlands machen.“ Bei seiner Ankunft waren es frostige -35 °C, doch Alex störte das nicht und er nahm an vielen internen Exkursionen teil. Anderen bekommt das einheimische Klima dafür nicht – so wie der Australierin Naomi, die während ihres Studiums ein Auslandsjahr in Kanada gemacht hat und sich über jeden Schneefall gefreut hatte.

Die Medizinabsolventin Diana fasziniert es, Menschen zu helfen; deshalb ist sie Einsatzärztin in Entwicklungsländern und Katastrophengebieten. Zuletzt war sie in Ghana und wurde durch den Internationalen Verband Westfälischer Kinderdörfer gefördert. Vorbereitungen wie Impfungen oder Malariaprophylaxe sieht Diana nicht als großen Aufwand an, sondern freut sich, Menschen helfen zu können und genießt die kulturellen Einflüsse in Form von einheimischer Musik und afrikanischem Essen.

Um die schöne Zeit mit den FreundInnen zu teilen führen einige Blogs – wie z. B. Laura in Georgien. Die einen nennen sowas Selbstinszenierung, die anderen sehen darin vielleicht eine Motivation, selbst einmal in einem fremden Land zu leben.

Reisevorbereitungen lohnen sich

Die Vorbereitungen sind meist schneller getroffen, als man anfangs denkt. Natürlich muss man für längere Aufenthalte einige Verluste einstecken, wie die Wohnung aufzulösen/unterzuvermieten oder die Arbeitsstelle aufzugeben. Doch die Befragten waren sich alle einig, dass es die Erfahrung, die man im Ausland sammelt, es wert ist. Die fünf wichtigsten Tipps der Befragten:
1. Früh mit den Vorbereitungen beginnen.
2. Auslandskrankenversicherung besorgen und impfen lassen.
3. Nicht in Panik geraten, wenn die Behörden im Ausland Dein Visum bemängeln – meistens klärt sich alles binnen von Tagen.
4. Nicht alle Behörden sind so wie in Deutschland, bei Abmachungen höflich um eine schriftliche Absprache bitten.
5. Bei Überforderung mit Papierkram gerne im International Office (SH 1/185) der RUB nachfragen.
Allen, die in den nächsten Wochen verreisen, wünschen wir Gute Fahrt!