Wahl-Tools als Orientierungshilfe werden immer beliebter
Alles online, oder was?
Screenshot: juma
Der Wahl-O-Mat: Auch provokative Thesen haben es in die Auswahl geschafft. Screenshot: juma
Der Wahl-O-Mat: Auch provokative Thesen haben es in die Auswahl geschafft.

Wahl. Auch vor der diesjährigen Bundestagswahl steht das beliebte Wahl-O-Mat-Tool wieder zur Verfügung. Vor allem ErstwählerInnen nutzen diese Möglichkeit der Orientierung.

Wie alle paar Jahre stehen über 61 Millionen Menschen in Deutschland vor der sprichwörtlichen Qual der Wahl. Denn außer für StammwählerInnen stellt sich oft die Frage, an welcher Stelle auf dem Wahlschein das bedeutungsvolle Kreuzchen gesetzt werden soll. Abhilfe wollen verschiedenste Wahl-Tools schaffen. Bereits seit 2002 bietet die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) das Online-Tool zur Orientierung für anstehende Wahlen an. Seitdem wurde er laut bpb seit 2002 insgesamt über 50 Millionen mal durchgespielt, Tendenz steigend.
Obwohl der Wahl-O-Mat als Orientierungstool gedacht war und ist, gaben 85 Prozent der NutzerInnen in einer Umfrage der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) an, bereits vor Benutzung des Wahl-O-Mats eine klare Position für ihre Wahlentscheidung zu besitzen, nur zwischen zehn und 20 Prozent der Befragten gab an, das Programm zur tatsächlichen Orientierung zu nutzen

Tücken lauern 

Doch wie alles rund um das Thema Wahlen ist auch der Wahl-O-Mat nicht ohne Tücken. Beispielsweise werden den Parteien die Thesen zur Beantwortung vorgelegt. Dementsprechend handelt es sich mehr oder weniger um Wahlversprechen. Sowohl Wahrheitsgehalt als auch Umsetzung können selbstverständlich nicht überprüft werden.
Daneben sind – besonders in diesem Jahr – Verschiebungen im politischen Diskurs erkennbar: wenn nach der Notwendigkeit einer Erinnerungskultur der Schoah gefragt wird etwa, oder wenn provokative Forderungen der AfD unkommentiert übernommen werden. Doch durch die Möglichkeit der ausführlichen Stellungnahme durch die Parteien bieten auch solche Thesen ein möglichst differenziertes Bild, womit der Wahl-O-Mat seiner Aufgabe als Orientierungshilfe gerecht wird. Wahl-O-Mat-Wissenschaftler Stefan Marschall der HHU betont außerdem, dass auch das politisch linke Spektrum entsprechende Thesen bereitgestellt bekäme. 

Die Alternativen 

Angesichts der bekannten Probleme gibt es in den letzten Jahren immer mehr Tools, um die eigene Wahlentscheidung zu treffen. Neben Spaßtools wie dem Musik-O-Mat, der eine Wahlempfehlung aufgrund der Einstimmung des Musikgeschmacks zwischen WählerIn und Parteimitgliedern errechnet, gibt es auch allerlei nachdenkliche Programme, wie beispielsweise den Steuer-O-Mat, der bei Angabe des Jahresverdienstes ausrechnet, bei welcher Partei am Ende des Jahres mehr im Portemonnaie bleibt – oder eben nicht.

Eine hinsichtlich Beliebtheit stark zulegende Alternative bietet die Website deinwal.de. Laut Betreiber „guckt dein Wal in die Vergangenheit und beruht auf Fakten statt auf Absichtsbekundungen.“ Hierfür wurden Abstimmungsergebnisse der letzten Legislaturperiode als Grundlage ausgewählt. „Man kann also für ein paar Minuten einen Abgeordneten spielen“, so die Entwickler.
Jedoch sei auch Mein Wal nicht perfekt. Martin Schramm, einer der Köpfe hinter Mein Wal empfiehlt daher: „Es ist daher auch wichtig sich abseits von diesen Programmen zu informieren. Beispielsweise durch die Medien, die Wahlprogramme, oder direkten Kontakt mit den Parteien.“

:Justin Mantoan

Weitere Informationen zur Wahl findet Ihr unter anderem auf abgeordnetenwatch.de, in den Wahlprogrammen der Parteien oder auf der Website der Bundeszentrale für politische Bildung: www.bpb.de