Porträt der militanten TierrechtlerInnen von der Animal Liberation Front
ALF frisst keine Katzen
Foto: ALF
Militante Tierliebe: Mit einem Mix aus Martialem und Knuffigkeit wirbt die Tierbefreiungsfront. Foto: ALF
Militante Tierliebe: Mit einem Mix aus Martialem und Knuffigkeit wirbt die Tierbefreiungsfront.

Tierschutzbund, PETA, Pelzboykott, als VegetarierIn oder VeganerIn der „Fleischeslust“ entsagen, Hunde aus spanischen Tierheimen nach Deutschland bringen, Fleischereibetriebe blockieren, die Tierschutzpartei – der Kampf um Tierschutz und Tierrechte hat wie jede Bewegung unterschiedliche Formen und Ausprägungen. Mitte Dezember wurden drei LKWs einer Wurstfabrik in Bochum-Hamme angezündet und mit den Schriftzügen „Fleisch ist Mord“ und „A. L. F.“ versehen. Letzteres steht für Animal Liberation Front. Spätestens seit diesem Brandanschlag ist es (wieder) Zeit, sich mit Motiven und Methoden der Tierbefreiungsfront auseinanderzusetzen.

Die Anfänge der ALF sind bereits in den 70er Jahren in England zu suchen. 1971 gründete der Jurastudent Ronnie Lee eine Gruppierung zur Sabotage von Tiertötungen zu „Sport“-Zwecken, der Jagd. Aus dieser ging 1976 die Animal Liberation Front hervor. Ihr erklärtes Ziel: die Abschaffung jeglicher Ausbeutung von Tieren durch den Menschen.
Heute ist die ALF ein weltweites Netzwerk von einzelnen AktivistInnenzellen. „Die“ ALF gibt es also nicht; jede Person, Gruppe oder Organisation, die nach dem Credo der Front handelt, darf sich als Teil dieses Netzwerks bezeichnen. Deswegen ermittelt nach Angaben der WAZ auch immer noch der polizeiliche Staatsschutz im Falle der Anschläge auf die Bochumer Wurstfabrik. Ein BekennerInnenschreiben gibt es nicht, wiewohl die Aktion auf den Webseiten der „zentralen“ ALF sowie auf UnterstützerInnen-Seiten dokumentiert wurde – anonym natürlich.

Wer sich an Tieren bereichert, dem/der wird wirtschaftlich geschadet

Besagtes Credo fasst das Netzwerk in drei Prinzipien zusammen. Erstens: „Ziel von Aktionen sind alle, die von Tierausbeutung profitieren.“ Das sind nicht nur Fleischereien, sondern auch Bauernhöfe, Geschäfte, die Pelze verkaufen und Restaurants, die Fleischgerichte anbieten oder Labors von Firmen und Universitäten, in denen an Tieren geforscht wird. Zweitens: Ziel der Aktionen sei es, „die Grausamkeiten, die hinter verschlossenen Türen gegen Tiere begangen werden“, „durch gewaltfreie direkte Aktionen und Befreiungen an die Öffentlichkeit“ zu bringen.

KritikerInnen – auch aus dem Tierrechtsspektrum – stellen den Nutzen solcher Aktionen wie jüngst in Bochum in Frage. So bestehe bei jedem Brandanschlag die Gefahr, dass Menschen zu Schaden kommen. Daher die dritte Grundregel: „Alle notwendigen Vorkehrungen müssen getroffen werden, um keinem Tier, menschlich und nicht-menschlich, zu schaden.“ Und tatsächlich behaupten zahlreiche Quellen, dass noch nie ein Mensch bei einer ALF-Aktion verletzt worden sei.

Was allerdings die Verhältnismäßigkeit angeht, so herrschen gespaltene Meinungen. Die bekannte Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) lobt die Aufklärungsarbeit der Tierbefreiungsfront und sieht sie als „einen wichtigen Teil der heutigen Tierrechtsbewegung, genauso wie es die Weiße Rose und die französische Resistance als Widerstandgruppen früherer Schlachten im Sinne sozialer Gerechtigkeit taten.“

C.L.I.T. – Commando Laufenlassen inhaftierter Tiere

Andere, gemäßigtere TierrechtlerInnen wiederum sehen das Handeln als kontraproduktiv an. Für Rückhalt in der Bevölkerung sorgen illegale Aktionen selten. In den Medien fällt so schnell das Wort „Terrorismus“, insbesondere in Österreich und den Vereinigten Staaten (wo militanter Tierschutz vom Staat scharf verfolgt wird) liest man immer wieder von „Ökoterrorismus“. In der Popkultur werden TierbefreierInnen oft als lächerliche TräumerInnen und Trottel dargestellt, etwa in dem Film „Jay und Silent Bob schlagen zurück“, wo eine Diebinnenbande eine Aktion der Organisation C.L.I.T. (Commando Laufenlassen Inhaftierter Tiere) inszeniert, um von einem Diamantenraub abzulenken.

Das Selbstverständnis der BefreiungsfrontlerInnen ist natürlich ein anderes. Andre Gamerschlag, Pressesprecher von Die Tierbefreier e. V., einer Organisation aus Dortmund, die die ALF in Presseund Justizdingen unterstützt, sagte der WAZ, dass die AktivistInnen aus einem „Ohnmachtsgefühl heraus handeln, weil sie die Situation so schrecklich finden“. Angesichts der Zustände in Massentierhaltung und Massenfleischproduktion erscheine Sachbeschädigung als eine „legitime Protestform“.

Illegaler Freiheitskampf weltweit

Viele Staaten sehen das anders. In den USA tritt die ALF noch militanter auf als in Deutschland und wird entsprechend beobachtet und verfolgt. In Österreich ist der Verfassungsschutz den TierrechtlerInnen auf der Spur, speist mitunter auch V-Leute in die Gruppierungen ein, um Sabotageaktionen auf Privatunternehmen zu verhindern. Der deutsche Geheimdienst erwähnt Tierrechtsorganisationen in seinem aktuellen Bericht nicht, allerdings kam es etwa 2005 durchaus vor, dass Polizei und Staatsanwaltschaft die Büros von Die Tierbefreier e. V. in Bochum, Mülheim an der Ruhr und Hamburg durchsucht haben.

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