Home sweet home: Zwischen Schimmel und Kakerlaken? Interview mit Peter van Dyk
Akafö nimmt Stellung zur Wohnheimssituation
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Akafö-Pressesprecher Peter van Dyk sprach mit uns unter anderem über die Zukunft der Wohnheime. Foto: kac
Akafö-Pressesprecher Peter van Dyk sprach mit uns unter anderem über die Zukunft der Wohnheime.

Die andere Seite einer Medaille: In der vergangenen Ausgabe (:bsz 1067) haben wir die Studis erzählen lassen, welche Probleme die Bochumer Wohnheime aufweisen. Aus diesem Grund haben wir Akafö-Pressesprecher Peter van Dyk interviewt.

:bsz Sie haben den Artikel über die Wohnheim-Beschwerden seitens der Studis gelesen. Was sagen Sie dazu?

Peter van Dyk: Das Akafö hat derzeit in Bochum 18 Wohnheime mit 4.100 Plätzen zu betreuen. Irgendetwas ist da natürlich immer zu tun. In dem Artikel gab es das Beispiel Schädlinge: Es ist bedauerlich, aber leider kommt es immer wieder zu Schädlingsbefällen. Diese werden überwiegend eingeschleppt, sei es bei der Rückkehr aus dem Urlaub oder sie gelangen über Pakete von zu Hause in die Anlage. Der wichtigste Kontakt in solchen Fällen ist der mit dem Hausverwalter. Das Akafö kann sich natürlich nur um Probleme kümmern, die uns bekannt sind. Um die Bewohner selber in die Lage zu versetzen, für mehr Sauberkeit zu sorgen, haben wir das kostenlose Home-Clean-Home-Putzset zusammengestellt. Zusätzlich  haben wir angeboten, eine Putz-Fee bei uns  zu ordern, die bei Interesse zeigt, wie vernünftig geputzt wird.

Wurde diese Aktion von den Studis wahrgenommen?

Nur ein, zwei Mal – was nicht bedeutet, dass wir dies nicht noch mal anbieten würden, wenn die Nachfrage kommt.

Einige Studis, die im Erlenkamp wohnen, beschweren sich über das Eindringen von Regenwasser und fragen, wer für die Wasserschäden haftet.

Wir sind der Meinung, -- gestützt durch Gutachten --, dass die Firma, die die Fassadenkonstruktion des Erlenkamps ausgeführt hat, fehlerhaft gearbeitet hat. Darum befinden wir uns im Rechtsstreit mit dieser. Wir bedauern, dass dieser andauert. Besonders unbefriedigend ist, dass wir keine Reparaturarbeiten angehen können, solange das Verfahren läuft. Da bitten wir die Mieter um Verständnis und Geduld.

Auch hier raten wir, stets den Kontakt zum Hausverwalter zu suchen. Gemeinsam finden wir eine Lösung,  und sei es der Umzug in ein anderes Wohnheim.

Normalerweise darf man nur ein Mal zwischen Wohnheimen umziehen. Gibt es dann Ausnahmefälle?

Über Ausnahmen kann man im Einzelfall immer reden. Bei 4.100 Mietern ist wohl nachvollziehbar, dass es immer wieder die eine oder andere Beschwerde gibt. Tipp: Missstände immer dokumentieren, damit wir nachvollziehen können, was es für Probleme gibt. Jedes Wintersemester schicken wir übrigens eine Wohnheimbefragung ab, in der die Mieter uns sagen können, wie sie ihre Wohnsituation benoten. Dabei schneiden wir meistens mit gut ab.

Wohnheim Sumperkamp: Barrierefrei auch für ungewollte MitbewohnerInnen wie Pharaoameisen, Schimmel und Co.?         Foto: kac

Wie oft werden die Zimmer renoviert?

Nach jedem Auszug machen unsere Hausverwalter eine Zimmerbesichtigung und weisen darauf hin, ob zum Beispiel nochmal geputzt werden muss oder nicht. Je nach Bedarf wird dann auch gestrichen oder der Teppich gewechselt.

Das im Artikel angesprochene Wohnheim Sumperkamp ist behindertenfreundlich. Wenn wir das komplett sanieren wollen, müssen wir erst Alternativen für die dort wohnenden Menschen finden. Erwähnen möchte ich, dass wir kontinuierlich in die Substanz des Sumperkamps investiert haben.

Was hat das Akafö genau gemacht?

Etwa vor zwei Jahren haben wir das Wohnheim mit modernsten, multifunktionalen Notrufanlagen ausgerüstet. Die Bewohner können nun dank eines Funktasters von überall in ihrem Apartment den Notruf auslösen und Hilfe anfordern – sogar vom Badezimmer aus. Außerdem verfügt die Anlage  über normierte Anschlüsse für Hilfsgeräte, etwa für ein Beatmungsgerät oder ähnliches. Zusätzlich fungiert das System auch als Sprechverbindung zur Haustür des Wohnheims.

Wie finanziert das Akafö Sanierungsarbeiten?

Wohnheime zu sanieren ist teuer, da sind die Studierendenwerke aufs Land angewiesen. Während die Ausgaben der Studierendenwerke immer mehr steigen, weil die Studierendenzahl wächst, ist der Zuschuss vom Land an uns allerdings seit Jahren derselbe. Früher machten Landesgelder 20 Prozent des Gesamtbudgets aus – heute nur noch neun Prozent.

Ein Abschlusswort:

Uns ist bewusst, dass demnächst Sanierungsaufgaben auf uns zukommen und wir werden zeitnah handeln. Das muss natürlich gut geplant werden, da die Wohnheime danach ja idealerweise die nächsten 20, 30 Jahre beanstandungsfrei sein sollten. Nachhaltigkeit ist uns auch im Bereich Wohnheim-Sanierung sehr wichtig.

Wir wollen unseren Studenten kostengünstiges und angenehmes Wohnen bieten, das ist für uns eine Selbstverständlichkeit.

Das Interview führte :Katharina Cygan