Bochumer Wohnungsmarkt: Wie ist die Lage?
1,9 Millionen Wohnungen fehlen
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Wohnungsgesuche: Das Schwarze-Brett und die RUB sind mit Anfragen bepflaster. Bild: sat
Wohnungsgesuche: Das Schwarze-Brett und die RUB sind mit Anfragen bepflaster.

Bochum. Die Wohnsituation ist angespannt – dabei sind Einzelhaushalte mit geringem Einkommen besonders betroffen. Die Forderung des Mietervereins: sozialer Wohnungsbau.

„Die Wohnungssuche ist schwieriger geworden, weil es nicht mehr genug Wohnungen in Bochum gibt“, sagt Aichard Hoffmann vom Mieterverein Bochum, Hattingen und Umgegend e.V. Vor allem haben es Haushalte schwierig, die ein geringes Einkommen haben. Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat untersucht, dass rund 1,9 Millionen bezahlbare Wohnungen in Deutschlands Großstädten fehlen. Als bezahlbar bewerten die Wissenschaftler*innen ihnen eine Bruttowarmmiete, die weniger als 30 Prozent des Haushaltseinkommens ausmacht. 14 Prozent der Haushalte – somit jeder siebte – müssen einen höheren Anteil für die Miete aufwenden.
Im Ruhrgebiet ist Bochum trauriger Spitzenreiter: 16,6 Prozent der Haushalte, die nicht mehr als das Durchschnittseinkommen zur Verfügung haben, finden keinen bezahlbaren Wohnraum. Im Verhältnis geht es Dortmund mit 10,9 Prozent und Essen mit 13,2 Prozent noch gut. Aus Sicht der armen Haushalte (deren Einkommen max 60 Prozent des Durchschnitts beträgt), liegt Dortmund bei 42 Prozent und Essen bei 50,6 Prozent. Ebenfalls führt Bochum mit 56,9 Prozent das Ranking an. Die Werte für Bochum, so schätzt der Mieterverein die Lage ein, seien „durchaus vergleichbar mit den überhitzen Wohnungsmärkten der Rheinschiene (Düsseldorf 13,6 % bzw. 57,7 %; Köln 16,5 % bzw. 59,7 %; Bonn 14,8 % bzw. 58,8%).“

Mögliche Ursachen

Der Wohnungsmarktbarometer ermittelt durch eine Befragung der Bochumer Wohnungsmarktakteur*innen, wie sie die Wohnsituation einschätzen und wie die zukünftige Lage aussehen könnte. Seit etwa drei Jahren schätzen die Expert*innen die Marktlage als „angespannt“, bei größeren preisgebundenen Wohnungen sogar als „sehr angespannt“ ein. Als aktuelles Problem sehen die Befragten das Fehlen von großen bezahlbaren Wohnungen (63 Prozent). Ebenso wird der Mangel von geeignetem Bauland und damit einhergehenden hohen Baulandpreisen kritisiert. Etwa ein Drittel sieht die Suche und Auswahl „von geeigneten Mietern bzw. die Zunahme von Konflikten mit ‚schwierigen Mietern‘ als Problem“. Das Investitionsklima, besonders der Bereich des Neubaus von öffentlich geförderten Mietwohnungen, sehen mehr als zwei Drittel der Expert*innen als sehr schlecht.
Das Akademische Studierendenwerk (Akafö) steht der Wohnungssituation gelassener gegenüber. Für Studierende und gezielt die Studierendenheime stufe das Akafö die Gegebenheit als „entspannt“ ein. Die Monate von Juli bis September seien angespannter, doch die Situation „ist nicht mit Köln vergleichbar“, so die Pressestelle.                   

:Sarah Tsah

 

Mit Schlafsack zur Uni

Köln. Viele Studierende, vor allem Erstsemester, haben Schwierigkeiten, eine Wohnung oder WG zu finden, bevor das Semester anfängt. In anderen Städten hat sich die Wohnungssituation bereits so zugespitzt, dass der Allgemeine Studierndenausschuss (AStA) den Studierenden mit Notschlafstellen unter die Arme greift und sie bei der Wohnungssituation unterstützt. In Köln hilft der AStA in dieser Form bereits seit 2013. Fast jedes Semester wird diese Übergangslösung angeboten. „Im ersten Jahr haben wir die Notschlafstelle im Keller eines Wohnheims durchgeführt. Nachdem die Presse darüber berichtete, hat leider am gleichen Tag noch die Stadt Hürth, auf deren Stadtgebiet das Wohnheim war, die Notschlafstelle mit Verweis auf Brandschutz geschlossen“, erklärt Florian Pranghe, Pressesprecher des AStA Köln. Dennoch findet die Notlösung weiterhin regelmäßig Anwendung. Auch in diesem Wintersemester wird es am Campus die Möglichkeit geben, zu übernachten. „Die machen wir zum einen, damit die Studierenden ‚vor Ort‘ auf Wohnungssuche gehen können und zum andern, damit sie an den Veranstaltungen vor Semesterbeginn teilnehmen können beziehungsweise an den regulären Vorlesungen in den ersten Vorlesungswochen“, sagt Florian. Mit verschiedenen Aktionen versucht der AStA, auf den Missstand aufmerksam zu machen. Vor einigen Jahren habe es in Kooperation der Kölner ASten und dem Kölner Studierendenwerk eine Aktion mit bedruckten Brötchentüten gegeben, auch eine Flashmob-Aktion fand statt. Ob es in diesem Semester Aktionen gibt, sei noch offen.                         

:ken

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