Aus Jubiläumsfest wurde Opel-Solidaritätsfest
18.000 Solidaritätsbekundungen
Moritz Hoffmann
Marek Firlej grüßt Bochum mit einem Ruhrgebietsgedicht.

(clu) Am vergangenen Sonntag fand in der Bochumer Innenstadt das Solidaritätsfest für die vor der Schließung stehenden Opel-Werke in Bochum statt. Nach dem vielen Verhandlungs-Hin-und-Her sollen 2016 die letzten Autos in Bochum vom Band laufen. Die Stadt Bochum, die Gewerkschaft und der Betriebsrat luden zu diesem Fest ein, um ihren Protest gegen die Pläne des Mutterkonzerns General Motors zu demonstrieren. Die Reden von Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz (SPD) und Betriebsratschef Rainer Einenkel wurden ergänzt von einem umfangreichen Info- und Unterhaltungsprogramm.

Occupy Bochum war mit einem Stand vor Ort, die IG Metall selbstredend auch. Die Parteien gaben sich „zurückhaltend und angemessen“, wie derwesten.de schrieb – bis auf die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (MLPD), die mit einem riesigen Stand aufwartete und deren Mitglieder unermüdlich in Kleinstprozessionen mit Transparenten durch die Innenstadt zogen. Ansonsten gab es die gleichen Stände den Boulevard entlang wie bei den einschlägigen Stadtfesten auch immer: Tierschutzverein, Freiwillige Feuerwehr, Unterhaltung für die Kinder sowie Dönninghaus-Wurstbuden und Fiege-Bierwagen.
So war die Atmosphäre insgesamt die eines Stadtfestes, wenn auch der traurige Anlass des Festes immer wieder vor Augen geführt wurde. Transparente gab es überall, die Schaufenster der Läden sind schon seit Tagen mit Plakaten für das Fest versehen und zwischen den Ständen ließ sich die Geschichte von Opel nachverfolgen. Besitzer alter Opel-Modelle waren aufgerufen, ihre Oldtimer auf dem Boulevard zu präsentieren.
Ein 93-jähriger Mann steht vor einem Opel Kapitän und erinnert sich, wie er damals im Werk die Windschutzscheiben eingesetzt hat. Für den gebürtigen Bochumer geht mit der Schließung der Werke ein Stück Lebens- und Stadtgeschichte verloren. Und nicht nur für ihn.

Wir bleiben!

Ganz faktisch gehen mit der Schließung der Werke mit einem Schlag fast 2.000 Arbeitsplätze verloren. Langfristig sind aber auch die verbliebenen 1.200 Arbeitsplätze in Gefahr. Vorerst soll so vielen Menschen noch ein Arbeitsplatz in der Teileproduktion und im Warenverteilzentrum erhalten bleiben. Die Zukunft dieser Stellen ist aber ungewiss. Betriebsratschef Reiner Einenkel lehnt diese „Abwicklung auf Raten“ ab. In einer zehnminütigen Rede unterstrich er noch einmal, was auf unzähligen Plakaten und Ansteckern steht: „Wir bleiben!“
„Es geht nicht nur um die Zukunft des Werkes und der Marke Opel. Daran hängt auch die Zukunft einer ganzen Region“, sagte Einenkel, denn an der Autoproduktion in Bochum hängen noch unzählige Arbeitsplätze in den Zulieferbetrieben der Region.
Die wichtigen Reden von Bürgermeisterin, Gewerkschaften und Betriebsrat fanden alle am Vormittag statt. Danach war die Bühne vor dem Rathaus frei für Solidaritätsbekundungen und Unterhaltungsprogramm. So war etwa Komiker Hennes Bender zu sehen und zu hören, der Autor Frank Goosen oder die Band Hans‘n‘Roses. Zudem übermittelte der Student und Autor Marek Firlej die solidarischen Grüße der Verfassten Studierendenschaft der Ruhr-Uni an die Stadt und bekundete die volle Solidarität mit den Arbeitenden.
Veranstalter und Polizei sprechen von 18.000 BesucherInnen, die alle friedlich und ohne einen einzigen Zwischenfall zeigten, dass die Stadt hinter ihren ArbeiterInnen steht.