Ausstellung im Ruhr Museum
In „Krieg. Macht. Sinn.“ wird Krieg neu verhandelt
Bild: stem
Anhand von filmischen Beispielen dargestellt: Wie die großen Kriege des 20. Jahrhunderts heute verstanden werden, zeigt sich auch an Filmen. Bild: stem
Anhand von filmischen Beispielen dargestellt: Wie die großen Kriege des 20. Jahrhunderts heute verstanden werden, zeigt sich auch an Filmen.

Museum. Die Ausstellung im Ruhr Museum in Essen konzentriert sich nicht auf die reine Historik von Krieg, sondern ruft den Umgang damit in das Bewusstsein der Besucher*innen.

Die Frage nach dem Zweck von Krieg beschäftigt unsere Gesellschaften heute stetig. Ob dies Konflikte in Krisenregionen sind, daraus resultierende Fluchtbewegungen, oder das moralische Dilemma von humanitären Interventionen. Wie die Ausstellung „Krieg. Macht. Sinn.“ im Ruhr Museum in der Zeche Zollverein zeigt, wurde die Antwort auf diese Frage mehrfach umgedeutet und befindet sich weiterhin in einem konstanten Diskurs. Die Ausstellung, die Teil des EU-geförderten Projekts UNREST ist und unter anderem in Kooperation mit dem Institut für Soziale Bewegungen an der RUB entstand, liefert dabei keine Antworten, sondern zeigt die gesellschaftliche Auseinandersetzung mit den Kriegen des 20. und 21. Jahrhunderts.
 

Erwartung und Bruch

Geteilt in vier Abteilungen, die jeweils unter den Themen „Krieg“, „Bombenkrieg“, „Völkermord“ und „Flucht und Vertreibung“ stehen, führt die Ausstellung zunächst chronologisch die Blicke der Besucher*innen entlang der Exponate. Dies beinhaltet klassische Darstellungsformen wie Kriegsmaschinerie oder Stahlhelme. Auch werden traditionelle Konzeptionen vom Krieg als Heldenreise am Beispiel von Erich Maria Remarques bedeutendem Roman „Im Westen nichts Neues“ und dessen eintretende Umdeutung behandelt. Doch recht schnell werden diese üblichen Darstellungsformen aufgebrochen. Daher sind beispielsweise Comics, Filmplakate, Satiren von Bundeswehr-Werbeplakaten ebenfalls Exponate.


Geschichte und heute

Ein wesentlicher Bestandteil von „Krieg. Macht. Sinn.“ ist die Instrumentalisierung von Kriegen und welche Narrative darum gesponnen werden. Beispielsweise lässt die Ausstellung die Bombardierung der deutschen Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg nicht unerwähnt, rückt diese aber gleichzeitig in das Licht aktueller Debatten und Instrumentalisierungen durch beispielsweise rechtsextreme Gruppierungen, die die Totenzahlen um den zehnfachen Faktor erhöhen, um die Bombardierung durch die Alliierten argumentativ für sich einzunehmen. An anderer Stelle wiegt Joschka Fischers Zitat, welches er während des Kosovo-Kriegs äußerte, schwer „Ich habe nicht nur gelernt: Nie wieder Krieg. Ich habe auch gelernt: Nie wieder Auschwitz“. Durch diese Kontextualisierungen stellt die Ausstellung Kriege nicht als abgeschlossene historische Ereignisse dar, sondern thematisiert vielmehr deren Nachklang. Die Ausstellung verhandelt, wie Kriege in einer Zeit, in der diese längst nicht mehr als heroische Abenteuerfelder gesehen werden, weiterhin sinnbildend sind – als Mahnung sowie als Deutung.
Dabei zeigt „Krieg. Macht. Sinn.“ ein breites Ausmaß des Leids, das durch Kriege und insbesondere den Holocaust entstand. Nachdem die Ausstellung den Blick der Museumsgänger*innen durch diese Trümmerfelder menschlicher Grausamkeit führt, bleibt dieser am Ende im Bereich „Flucht und Vertreibung“ bei dem Ausspruch des AfD-Politikers Alexander Gauland stehen: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1.000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte.“ Die Platzierung scheint bewusst gewählt zu sein. Denn nach dem zuvor Gesehenen wirkt dieses Zitat umso befremdlicher.
Die Ausstellung hat bis zum 30. April 2019 geöffnet. Der Eintritt kostet 3 Euro.

:Stefan Moll

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