Passend zum Bundesligastart: Ein Sportstudent erklärt, was bei einer Leistungsdiagnostik passiert
„Eigentlich haben wir alle Hunger“
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Schneller, höher, weiter: Um ihre persönliche Belastungsgrenze zu ermitteln, verausgaben sich Sportstudent Jan (Foto) und seine KommilitonInnen bis zur Erschöpfung auf dem Laufband. Foto: bk
Schneller, höher, weiter: Um ihre persönliche Belastungsgrenze zu ermitteln, verausgaben sich Sportstudent Jan (Foto) und seine KommilitonInnen bis zur Erschöpfung auf dem Laufband.

Fans von Bundesligavereinen können aufatmen, denn am Wochenende rollt wieder der Ball. So ein Saisonstart will jedoch vorbereitet sein: Bereits im Juli hat sich die Profimannschaft von  Borussia Dortmund an der Sportfakultät der RUB einer Leistungsdiagnostik unterzogen. Wie das genau funktioniert, erklärt Sportstudent Jan, den wir am 16. August bei einer solchen Untersuchung begleiten durften. 

Wer seine Fitness professionell bei den SportmedizinerInnen der RUB durchchecken lassen möchte, sollte keine Angst vorm Blutabnehmen haben – denn schon am Anfang der Untersuchungsreihe, die Studierende in den Räumen der Fakultät für Sportwissenschaft durchführen, wartet der erste kleine Pieks ins Ohr. Das Blut, zunächst im Ruhezustand abgenommen, wird auf  Laktat untersucht. Dieses Stoffwechselprodukt entsteht, wenn der Körper durch Belastung mehr Sauerstoff benötigt als im Blut vorhanden ist.

„Mit dem Laktattest wird die persönliche Belastungsgrenze des Körpers ermittelt“, erklärt Jan, der im fünften Semester Sport studiert. „Die Laktatwerte steigen mit wachsender Belastung und ergeben dann eine Kurve.“ Nachdem der Ruhepuls ermittelt wird, geht es für jeweils drei Minuten aufs Laufband. Die Geschwindigkeit wird immer weiter erhöht, in den Pausen zwischen den einzelnen Einheiten wird wieder Blut abgenommen. Parallel dazu tragen die TeilnehmerInnen ein sogenanntes Spiroergometer – eine Art Atemmaske, die den Sauerstoffverbrauch misst. 

Am Schluss wird angefeuert …

Gelaufen wird solange, bis der Körper eben nicht mehr kann. „Am Ende feuern wir unsere Kollegen immer an, damit sie noch durchhalten“, erzählt Jan. Wie zum Beweis für seine Worte versammelt sich kurze Zeit später die gesamte Gruppe um das Laufband und treibt eine Kommilitonin an, die bei einem Puls von 206 schließlich am Ende ihrer Kräfte angelangt ist.  

Die Untersuchungsreihe ist Teil eines Seminars, dessen Höhepunkt eine neuntägige Expedition in die Karpaten war. „Da haben wir quasi unser Essen die ganze Zeit über selbst gesammelt und auf Kohlenhydrate verzichtet“, erklärt Jan. „Wir gehen davon aus, dass unsere Belastungsfähigkeit dadurch zurückgegangen ist – jetzt müssen wir das nur noch beweisen.“ Um die Ergebnisse nicht zu verfälschen, müssen die TeilnehmerInnen ihre strenge Ernährung bis zu den Tests durchhalten und die Untersuchungen auf nüchternen Magen durchführen. „Eigentlich haben wir alle Hunger.“

… erst danach gibt’s Schokolade

Die Tests haben die TeilnehmerInnen bei der Expeditionsvorbereitung geübt – „zum Beispiel das Blutabnehmen, das kriegt man nach ein paar Versuchen eigentlich ganz schnell hin. Die Blutabnahme für die Insulinmessung ist schon ein bisschen unangenehmer“, so Jan. Damit ermittelt werden kann, wie schnell der Insulinspiegel nach der Zufuhr von Zucker wieder sinkt, müssen die Sportstudis nach dem Laktattest noch eine Honig-Wasser-Lösung zu sich nehmen. Bis zu zwei Stunden danach wird in regelmäßigen Abständen eine etwas größere Blutprobe abgenommen, um den Insulinspiegel zu messen.  Erst danach darf wieder gegessen werden – zum Beispiel die Schokolade, die bei einigen der TeilnehmerInnen schon bereit liegt.

Gastautorin :Birthe Kolb 

ist ehemalige :bsz-Redakteurin

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