„Wir werden alle Mittel ausschöpfen!“
„Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ – Der Kampf geht weiter
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Dienen ab sofort auch als Plattform der freien Meinungsäußerung: Die Schaufenster von Badalona und Max Frituur. Bild: fufu
Dienen ab sofort auch als Plattform der freien Meinungsäußerung: Die Schaufenster von Badalona und Max Frituur.

Aktion. Vergangene Woche wunderte man sich in der Bochumer Innenstadt über prägnant gesprayte Slogans an den Schaufenstern von Max Frituur und Badalona. „Danke Bochum für die Abschiebung“ sprühte Besitzer Jens Schumann unter anderem an die Front seiner Läden.

Als Anfang April der Koch Rezaul, mit seiner Frau und ihrer bald drei-jährigen Tochter, am frühen morgen vom Ausländeramt geweckt werden, wissen sie schon was ihnen bevor steht. Die Aufforderung, ihr Hab und Gut zu packen und das Land zu verlassen. Knapp eine Stunde nachdem Rezaul seinen Chef Jens Schumann über diese Realität informiert, steht dieser am Schaufenster vom Badalona und sprayt dort seinen Missmut. „Danke Bochum für die Abschiebung“. Diese Art von friedlichem Protest schien Schumann das mindeste was er spontan und direkt tun konnte, um ein Zeichen für Demokratie und friedliches Zusammenleben zu setzen. Mit großer Wirkung.
Bochumer Passant*innen wurden auf eine Geschichte aufmerksam gemacht, die sonst nur eine weitere Zahl in einer Statistik für sie gewesen wäre. Auch wenn sie alles schon vorher prophezeit hatten, sind sowohl Besitzer Schumann, als auch die Teams von Max Frituur und dem Badalona nach wie vor schockiert, über die Art und Weise der Nacht und Nebel Aktionen beim Abschiebeverfahren.

30 Monate Füße still halten

Rezaul arbeitete seit dreieinhalb Jahren als Koch bei Max Frituur und dem Badalona in Bochum. In dieser Zeit bekam er hier mit seiner Frau auch eine Tochter. Rezaul und seine Frau flohen im Jahr 2015 aus Bangladesch, in den irakischen Kirkuk und als sich dort der IS ausbreitete, flüchteten sie über die kräftezehrende Balkanroute nach Deutschland.
Innerhalb seiner Zeit in Bochum hat Rezaul Freundschaften in seinen beiden Arbeitsteams aufgebaut. Ein paar seiner Arbeitskollegen machten Chef Schumann damals auf das Problem aufmerksam, dass Rezaul nach Asylgesetz Ausreisepflichtig gilt. Eine Duldungsverlängerung habe am 8. April angestanden. Nun heißt es von Seiten der Ausländerbehörde die 30 monatige Einreisesperre abwarten.
Diese 30 Monate Aufschub schädigen allerdings erheblich dem Weg einer bisher sehr aussichtsreichen Integration. „Wir werden alle Mittel und Wege ausschöpfen, ihn zurück zuholen“, verspricht Schumann, der bereits in Verbindung mit der Botschaft im Irak, der Ausländerbehörde und ein paar Fachleuten zu dem Thema steht. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“; anstatt abzuwarten, werden Anträge gestellt. Alles im Interesse Rezauls, der in ein sicheres Leben zurückkehren möchte. Auch weil er hier Zugang zu medizinischer Behandlung für die gesundheitlichen Probleme seiner Tochter hätte. Anders als im Irak.

Battle of Words

„Das was wir hier mit den Schaufenstern betreiben ist ja nur ein Battle of Words. Wir geben dem nur etwas Stimme.“ Jens Schumann sieht sich selbst eher als Kritiker, als in der Rolle eines Vollzeit-Aktivisten. Er weiß nur, dass man nicht immer schweigen kann, es aber immer Mittel und Wege gab, Meinungen zu verkünden. „Auch wenn manch einer wie der Ochs vorm Berge stand, war die Resonanz der Leute und die Solidarität der Mitarbeiterschaft sehr groß!“, erfreut sich Schumann.  
Ab sofort wollen er und die Teams von Max Frituur und Badalona ihre Schaufenster häufiger als Plattform der freien Meinungsäußerung nutzen. Seit Samstag steht in ihren Schaufenstern der Slogan „Stopp der Institutionellen Kunstförderung jetzt!“ Expert*innen werden verlangt.

:Christian Feras Kaddoura