Vorträge über Rechtsextremismus und Islamfeindlichkeit im Rahmen von „RUB bekennt Farbe“
„Begegnungen reduzieren Vorurteile“
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Antikapitalistische Nazis? Sozialwissenschaftler Schedler verwies auf die neonazistische Strategie, linke Inhalte und Symbole zu kopieren. Foto: bent
Antikapitalistische Nazis? Sozialwissenschaftler Schedler verwies auf die neonazistische Strategie, linke Inhalte und Symbole zu kopieren.

Nazis sorgen auch an der RUB für Pro­bleme. Das musste selbst die Uni-Leitung feststellen, als der Fall Michael Brück (Jura-Student und Kader der neofaschistischen Partei Die Rechte) im letzten Jahr die Studierendenschaft polarisierte. Mit der Kampagne „RUB bekennt Farbe“ sollte daher ein Forum geschaffen werden, um über neofaschistische Tendenzen in der Gesellschaft zu diskutieren. In diesem Rahmen referierten am 2. Juli die RUB-Sozialwissenschaftler Jan Schedler und Thomas Pfeiffer (der auch für den Verfassungsschutz arbeitet) über autonome NationalistInnen und Islamfeindlichkeit. Mit rund 20 Gästen war die Beteiligung allerdings gering.

„Was ist los vor der Haustür? Rechts­extremismus in NRW. Autonome Nationalisten: Modernisierung des Neonazismus“, lautete der Vortragstitel von Jan Schedler. Der Rechtsextremismus-Forscher versuchte dabei, einen Wandel in der Neonazi-Szene darzustellen. So sei das Klischee von kahlköpfigen Schlägern in Springerstiefeln nicht mehr haltbar: Neonazis haben sich in ihrem Auftreten wie in ihrer Organisationsstruktur gewandelt. Autonome NationalistInnen – wie sie etwa in der Partei Die Rechte versammelt sind – versuchen, sich am Zeitgeist zu orientieren und alles aufzugreifen, was alternativ oder genuin links erscheint. Auffällig ist dabei eine „bis ins Detail gehende Übernahme und Adaption linker Symbolik“ durch NeofaschistInnen, so Schedler. Trotz der Modernisierung ist der ideologische Kern von NS-Prämissen bestimmt: „Da hat sich überhaupt nichts geändert“, sagt Schedler.

„Wir gegen Sie“: Islamfeindliche Diskursstrategien bei den Rechten

Für rechte AkteurInnen gilt es, wie der Sozialwissenschaftler Thomas Pfeiffer erklärt, „Themen zu finden, die den öffentlichen Diskurs bestimmen und mit der Islamfeindlichkeit glaubt man, ein bestimmendes Thema gefunden zu haben.“ Die Diskursmuster der Islamfeindlichkeit werden dabei immer wiederholt: Überfremdung, Kriminalität und Gewalt, Pauschalisierung und eine Gleichsetzung von Islam und Islamismus oder sogar Terrorismus. Das politische Ziel ist, eine Wir-Mentalität zu konstruieren: „Das Grundmuster ist ein sehr schroffes Wir gegen sie.“ Bei NPD, Pro NRW und Co. resultiert dies in Wahlkampfsprüchen wie „Geld für die Oma statt Sinti und Roma“ oder „Maria statt Scharia“. Was das „Wir“ denn letztendlich bedeutet, wissen die Rechten auch, wie Pfeiffer schildert: „Wenn man fragt, wer ist denn dieses Wir, dann sagt die NPD ganz schroff: Die Rasse.“