Vortragsreihe über die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg
Über den Glauben hinaus
Ohne ihn hätte es den Dreißigjährigen Krieg so nicht gegeben: Martin Luther.
Ohne ihn hätte es den Dreißigjährigen Krieg so nicht gegeben: Martin Luther.

Geschichte. Reformation – Starring Martin Luther? Nicht nur. Die Vortragsreihe beleuchtet die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg.

Ohne Luther und seinen Thesenanschlag 1517 an eine Wittenbergische Kirche hätte es den Dreißigjährigen Krieg (1618 -1648) so wahrscheinlich nicht gegeben. 

Prof. Arndt Kiehnle vom Lehrstuhl Bürgerliches Recht, Deutsche und Europäische Rechtsgeschichte und Prof. Maren Lorenz vom Lehrstuhl Geschichte der Frühen Neuzeit und Geschlechtergeschichte widmen im Luther-Jahr dem berühmten Reformator und dem Dreißigjährigen Krieg die Vortragsreihe „Religion – Gewalt – Toleranz (1517 - 1618“ im Blue Square. Es gehe nicht darum, „die Reformation als isoliertes Ereignis, das sie ja auch nicht war, um Luther als ‚Helden‘ ‚herumzustricken‘“, erklärt Lorenz das Grundkonzept. Die im Titel verwendeten Schlüsselbegriffe bieten einen Hinweis auf die Zusammenhänge, bündeln „den Zusammenhang von Reformation […] und die wieder einmal aufkommende Frage der religiösen Toleranz/Ignoranz.“

Medien- und Söldner-Krieg

So war der Dreißigjährige Krieg nicht die große Auseinandersetzung zwischen den Konfessionen, wie irrtümlich angenommen wird. Im Grunde „ging es wie immer eigentlich um Macht und Territorium, […] Zugang zu Ressourcen und um Eitelkeiten“, so Lorenz – auch wenn in der Anfangsphase des Krieges die Glaubensfrage noch relevant gewesen ist.  An Dramatik gewinne dieser Krieg nicht nur durch seine Länge und Begleitumstände wie Vertreibung, die „Auflösung der Schutz- und Ordnungsstrukturen“ oder den Einsatz von riesigen Söldner-Heeren – in denen Protestanten und Katholiken teilweise Seite an Seite kämpften. Die mediale Berichterstattung der Zeit verstärkte die Wahrnehmung der ZeitgenossInnen: „Der Dreißigjährige Krieg war auch der erste große, durch das neue schnelle Druckverfahren forcierte Medienkrieg.“

Für Prof. Kiehnle sind „Religionsfreiheit und Autonomie des Einzelnen im Recht“ ohne die Vorgeschichte nicht verständlich. „Nicht weniger religiös oder rationaler als damals“ sei unsere Zeit, so Prof. Lorenz. Glaube werde „noch genauso auf nationaler oder Gruppenebene zu Propagandazwecken“ eingesetzt. 

Der nächste Vortrag mit dem Titel „Wahrnehmung und Folgen von Gewalt und Gegengewalt im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges“ findet am 24. Oktober um 18 Uhr im Blue Square statt.                    

:Andrea Lorenz