Besser kein AStA-Talk mit Neonazis
Österreich mahnt

Kommentar. Ein AStA-Dialog schenkt den „Identitären“ nicht nur unnötige Aufmerksamkeit, sondern ignoriert auch vergangene Fehler.

Es mag für viele Studierende sicher vernünftiger klingen als der Aktionismus, zu dem viele Antifas neigen: ein Dialog mit der „Identitären Bewegung“ (IB) auf dem Campus. Miteinander diskutieren ist vernünftig, ist demokratisch. Laut Zitation der „WAZ“ ist das die Idee des geschäftsführenden AStA-Vorsitzenden Simon Lambertz.

Mal ganz davon abgesehen, dass es einen unschönen Beigeschmack hat, wenn Neonazis, deren Ideologie sich (auch militant) gegen eine große Gruppe Studierender richtet, zum Plaudern auf einen Kaffee  im Studierendenhaus vorbeischauen, ist das Dialogangebot eine beliebte strategische Geste: Wir reichen ihnen die Hand, tauschen uns aus. Vielleicht können wir sie nicht überzeugen. Aber wenn sie einmal in unserer demokratischen Diskursmaschinerie sind, dann ist auch deren rechtsextremistische Position geschwächt. Zur Erinnerung: Einstige 68er, deren Methoden diese identitären Idioten so gerne klauen, wurden oft genau so in die „demokratische Grundordnung“ integriert. 

Einfluss auf FPÖ-ÖVP-Regierung 

Genau zwei Gründe aus den jüngsten Erfahrungen sprechen dagegen, dass dies bei der IB aufgeht: Erstens ist es nur eine kleine Gruppe. Wie viele es in Bochum gibt, ist unklar. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es in dieser Stadt immer noch mehr Tauben züchtende BodybuilderInnen als xenophobe Hipster gibt. Sellner und Co. haben diese mediale Aufmerksamkeit immer geschickt ausgenutzt. Ein Dialog macht diese kleine Clique nur unnötig stark.
Zweitens zeigen die jüngsten Erfahrungen aus Österreich, dass die Parole, mit Rechten zu reden, den gesamten Diskurs nach rechts aufsprengt: Die Übergänge zwischen „Identitären“, den Burschenschaften und der FPÖ sind dort fließend. Dass es einen maßgeblichen Einfluss dieser Rechtsextremen auf die rechtspopulistische ÖVP-FPÖ-Regierung gibt, ist fast schon akzeptierte, traurige Realität. Ein langer Marsch durch die
Institutionen von rechts außen. Von ihren ideologischen Interessen ist dieses reaktionäre Gesocks nie abgewichen. Auch nicht an den Unis. Ganz egal, wer sie zum Dialog eingeladen hat.

     :Benjamin Trilling